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EF25Festival-Session · KI & Automatisierung · Ausbildung & Young Talents

Angst vor KI: Was die Neuroforschung für HR, Coaching und Führung bedeutet

Angst vor KI verunsichert Teams und bremst laut Neuroforschung genau die Fähigkeit, innovativ zu sein. Benjamin Bargetzi, CEO der Bargetzi & Company Group, verbindet auf dem EMBRACE Festival 2025 Hirnforschung und KI und zeigt, was beim Lernen und bei Veränderung im Gehirn passiert und was das für HR, Coaching und Führung heißt.

  • Mit Benjamin Bargetzi
  • Format Festival-Session · EMBRACE Festival 2025
  • Datum 25.–26.06.2025
Angst vor KI: Was die Neuroforschung für HR, Coaching und Führung bedeutetVideo für Mitglieder · kostenlos

Das nimmst du mit

  1. Mach Lernen angenehm: Dopamin signalisiert dem Gehirn, Verknüpfungen zu bauen. Wer Spaß am Job hat, lernt besser. ▶ 6:08
  2. Nimm Angst ernst: Angst und Innovation sind im Gehirn unterschiedliche Muster. Verunsicherte Teams können biologisch schlechter innovativ sein. ▶ 25:44
  3. Mach Fortschritt sichtbar: Leute bleiben, wenn sie sich selbst beim Entfalten zuschauen können. ▶ 19:28
  4. Konzentrier dich auf einen Use Case, der deiner Firma die meiste Zeit frisst, und zieh ihn mit Freude durch. ▶ 23:03
  5. Führ dein Team in kleinen Schritten an KI heran. So wie bei einer Spinnenphobie wird die Angst durch wiederholte Begegnung kleiner. ▶ 31:00

Sieh dir alle 33 Minuten an, mit den Hirnscan-Beispielen zu Angst und Innovation und den Teamformaten von Amazon und Google. Kostenlos für Mitglieder.

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Was im Gehirn beim Lernen passiert

Bargetzi kommt aus Psychologie und Neuroforschung und beschäftigt sich seit 9 Jahren damit, Hirnprozesse in Maschinen nachzubauen. Ausgangspunkt ist das Lernen. Dopamin sagt dem Gehirn, was wir wollen und anstreben. Ist es aktiv, beginnt das Gehirn, Brücken zwischen Neuronen zu bauen, also Erinnerungen. Wer etwas gern macht, fokussiert ist und darin aufgeht, lernt deshalb besser.

Für HR heißt das: Spaß am Job ist der beste Weg, damit Menschen wirklich etwas lernen. Dazu kommen zwei Klassiker. Wiederholung macht Lernen leichter, und praktisches Tun mit mehreren Sinnen wirkt stärker als reines Zuhören. Bargetzi schreibt Notizen deshalb weiterhin von Hand, weil dabei motorische Teile des Gehirns mitarbeiten.

KI im Coaching und HR: ergänzen statt ersetzen

KI ist für Bargetzi der Versuch, menschliches Lernen nachzubauen: aus Daten ein Verständnis entwickeln, das Agenten handeln lässt. Die Forschung schaut dafür gerade auf Kinder. Ein Kind mit vier Jahren hat wenig Daten im Kopf und kann trotzdem sehr viel. Kleinere Modelle, die gezielt rechnen, brauchen weniger Energie und weniger Daten. So können auch kleinere Betriebe ohne Riesenbudget leistungsfähige KI bauen.

Lange galt der Kompromiss: Maschinen können Logik und Schach, Menschen haben Kunst und Empathie. Diese Grenze verschiebt sich. KI-Coaching, KI-Therapie und KI-Feedbackgespräche sind im Coaching und im HR bereits real. Bargetzi sieht darin eher eine Ergänzung: Feedback mal von der KI, mal vom Menschen. Gerade jüngere Generationen wünschen sich regelmäßiges Feedback, KI-Agenten können hier entlasten.

Wahrscheinlich lassen sich 80 Prozent der Jobs automatisieren, sagt Bargetzi. Ob die Gesellschaft das will, ist eine andere Frage. 300.000 Jahre Evolution haben unser Gehirn darauf trainiert, Menschen zu mögen. Und wir wollen ein Gesicht, das Verantwortung trägt, wenn etwas schiefgeht.

„Das heißt, wenn wir Leuten erlauben, dass sie sich auf die Zukunft freuen, wenn sie Spaß an der Zukunft haben, dann werden die auch besser arbeiten.“

Benjamin Bargetzi · im Video ab 26:08

Angst vor KI: Warum Furcht Innovation blockiert

Der Mensch ist laut Bargetzi eine Kreatur der Furcht. In der Steinzeit war es klüger, hinter dem Rascheln im Gebüsch einen Säbelzahntiger zu vermuten als ein Häschen. Deshalb reagieren wir auf Neues zuerst mit Angst, warten ab und schauen auf die Gruppe. Finanzsysteme, Investitionen und KI belohnen heute aber genau jene, die mutig ins Ungewisse gehen.

Im Hirnscanner zeigt sich der Unterschied. Bei Veränderung und neuen Technologien leuchten Areale für Furcht und Abwägung auf, etwa die Amygdala. Wer Innovation verspürt, nutzt andere Bereiche. Ein Mindset ist für Bargetzi ein neuronales Muster. Stehen Menschen in deiner Firma unter Stress und Unsicherheit, nimmst du ihnen die biologische Fähigkeit, innovativ und agil zu sein.

Die Psychotherapie kennt den Ausweg. Bei einer Spinnenphobie wird die Angstreaktion kleiner, wenn die Konfrontation in kleinen Dosen wiederholt wird. Übertragen heißt das: Hilf deinen Leuten, sich mit KI vertraut zu machen. Mit dem GPT sprechen, einen Basic-Coding-Kurs ausprobieren, sich informieren. Studien zeigen laut Bargetzi, dass Ungewissheit mehr Stress macht als eine klare Nachricht.

Mitarbeiterbindung: Menschen führen statt Roboter

Vertrauen fehlt laut Bargetzi auf beiden Seiten. Beschäftigte zweifeln, ob ihre Firma eine Zukunft hat. Firmen zweifeln, ob Leute bleiben. Die Antwort aus der Dopaminforschung: Lass Menschen sehen, wie sie vorankommen. Vision und Werte der Firma reichen nicht, wenn jemand das Gefühl hat, den ganzen Tag nur Quark zu machen. Kleine Fortschritte und Wertschätzung geben Sicherheit.

Bargetzis Appell an HR und Führung: Wer Menschen nur Aufgaben abarbeiten lässt, führt Roboter. Wer an das Einzigartige im Menschen glaubt, muss das spürbar machen und Rollen geben, die menschlich sind. Routinen übernehmen KI-Agenten, damit mehr Zeit für Führung mit Empathie und Fokus bleibt.

So startest du: ein Use Case, kleine Formate

Bargetzi rät, nicht alles auf einmal zu machen. Such dir den Use Case, der deiner Firma die meiste Zeit frisst und am meisten bringt, und zieh ihn durch. Schnelle Fortschritte machen Spaß und geben Sicherheit. Aus der eigenen Zeit bei Amazon und Google nennt Bargetzi zwei Formate: Pizza Teams, in denen je eine Person aus verschiedenen Teams Silos aufbricht, und 20-Prozent-Projekte für eigene Ideen.

Einen ganzen Tag pro Woche kann nicht jede Firma freigeben. Fang mit einer Stunde am Freitag an, in der Leute Probleme und Zeitfresser einbringen. Daraus entstehen KI-Lösungen, die Stunden sparen, und die Leute fühlen sich gehört.

Häufige Fragen

Wie nehme ich Mitarbeitenden die Angst vor KI?

Führ das Team in kleinen Schritten an die Technologie heran, ähnlich wie bei einer Konfrontationstherapie. Laut Benjamin Bargetzi macht Ungewissheit mehr Stress als Klarheit, also informier offen und lass ausprobieren.

Kann KI im Coaching menschliches Feedback ersetzen?

Bargetzi sieht KI-Coaching und KI-Feedback eher als Ergänzung. Menschen wollen weiterhin ein Gegenüber, das Verantwortung trägt.

Wie lernen Mitarbeitende am besten?

Mit Freude, Wiederholung und praktischem Tun. Dopamin signalisiert dem Gehirn, neue Verknüpfungen zu bilden, wenn jemand fokussiert und gern bei der Sache ist.

Speaker

Benjamin Bargetzi

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