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Bildung für Flüchtlingskinder: Wie die Zeltschule im Libanon und in Syrien hilft

Was braucht es, damit Bildung für Flüchtlingskinder wirklich ankommt? Jacqueline Flory von der Zeltschule erzählt auf dem EMBRACE Festival 2025, wie aus einer ersten Zeltschule im Libanon ein Netz von Schulen in Libanon und Syrien wurde und warum Wasser, Essen und medizinische Hilfe genauso wichtig sind wie Unterricht.

  • Mit Jacqueline Flory
  • Format Festival-Session · EMBRACE Festival 2025 · Yellow Stage
  • Datum 25.–26.06.2025
Bildung für Flüchtlingskinder: Wie die Zeltschule im Libanon und in Syrien hilftVideo für Mitglieder · kostenlos

Das nimmst du mit

  1. Bildung braucht Grundversorgung: Ohne Wasser, Essen und Medizin arbeiten Kinder auf dem Feld, statt zur Schule zu gehen. ▶ 8:37
  2. Nutz vorhandene Fähigkeiten: In den Schulen unterrichten geflüchtete syrische Lehrkräfte, in den Zeltkliniken arbeiten geflüchtete Ärztinnen und Ärzte. ▶ 10:28
  3. Bau pragmatisch: Zelte auf Holzgerüsten, Keller in zerstörten Städten und noch nutzbare Räume werden zu Klassenzimmern. ▶ 5:43
  4. Regelmäßige Mitgliedsbeiträge sind für einen Verein eine sichere Einnahmequelle, die Ausbau planbar macht. ▶ 14:09

Sieh dir die ganze Keynote an, mit den Bildern aus den Schulen und Camps und dem Transkript zum Nachlesen. Kostenlos für Mitglieder.

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Wie die Zeltschule entstand

Der Anfang ist ein Bild, das 2015 um die Welt ging: der tote Alan Kurdi, noch nicht ganz 2 Jahre alt, angespült an einem Strand in der Türkei. Die syrische Familie hatte alles verkauft, um vor dem Krieg nach Europa zu fliehen. Für kurze Zeit öffnete sich ein Fenster der Solidarität, nach etwa zwei Wochen schloss es sich wieder.

Flory ließ das Bild nicht los. Im Herbst 2015 fiel die Entscheidung, die Zeltschule zu gründen. Los ging es im Libanon, dem Land, das mit über 2 Millionen Geflüchteten bei viereinhalb Millionen eigenen Einwohnern die meisten Menschen aufgenommen hat. Die erste Schule hatte 155 Schüler, die Plane an der Wand bemalten Kinder einer Münchner Grundschule. Seitdem gab es 71 weitere Schuleröffnungen. Heute lernen über 25 000 Kinder täglich in den Schulen.

Bildung für Flüchtlingskinder im Libanon und in Syrien

Im Libanon stehen die Schulen in Camps nahe der Gebirgskette zur syrischen Grenze, wo sich die meisten Geflüchteten niederlassen. Dazu kommen Schulen in Tripoli, wo Geflüchtete mit Booten ankommen, und zwei Schulen in Beirut für libanesische Kinder, denn auch das Land selbst ist inzwischen so arm, dass viele Kinder keinen Zugang zu Bildung haben.

Die Schulen sind Zelte: ein einbetoniertes Holzgerüst, umwickelt mit mehreren Schichten Plane. Sie müssen viel aushalten, ungefähr 9 Monate im Jahr über 40°, wochenlangen Regen im Frühling und Herbst und einen kurzen, kalten Winter mit Schnee.

In Syrien wurden seit 2015 systematisch Schulen und Krankenhäuser bombardiert. Binnenflüchtlinge haben seit Jahren keinen Zugang zu Bildung. Die Zeltschule betreibt dort inzwischen 32 Schulen von Nord bis Süd, auch in festen Gebäuden. Die erste lag im Keller eines schwer beschädigten Hauses in Homs.

„Wir haben gewonnen über Umstände, die unänderbar erschienen, die aber nicht unänderbar waren.“

Jacqueline Flory · im Video ab 2:56

Ohne Grundversorgung keine Schule

Schon bei der ersten Schule zeigte sich: Schulen allein reichen nicht. Syrische Erwachsene dürfen im Libanon nicht arbeiten und bekommen keine staatliche Hilfe. Erlaubt ist nur Kinderarbeit. Morgens um 6 Uhr holt ein Laster die Kinder ab, in der Theorie ab 8 Jahren, Flory hat aber schon mit Sechsjährigen gesprochen. Sie arbeiten 10 bis 12 Stunden in sengender Hitze für umgerechnet etwa 3 €, von denen die ganze Familie leben muss.

Deshalb versorgt die Zeltschule die Familien mit allem, was sie brauchen. Wasser wird per Lastwagen in die Camps gebracht, Millionen Liter jeden Monat. Jede Familie bekommt jede Woche eine Lebensmittelkiste, zusammengestellt nach Bedarf, etwa mit Windeln und Milchpulver für Babys. Dazu kommen Winterkleidung, Decken, Feuerholz und medizinische Versorgung.

In den Camps leben Richter neben Taxifahrern, Maurer neben Neurologen. Diese Fähigkeiten nutzt die Zeltschule: Geflüchtete syrische Lehrkräfte unterrichten, geflüchtete Ärztinnen und Ärzte arbeiten in Zeltkliniken.

Hilfe für Erdbebenwaisen und in Krisen

Besonders am Herzen liegt Flory ein Projekt für Kinder, die beim Erdbeben in der Türkei und in Syrien vor zwei Jahren ihre Eltern verloren haben. Viele waren über Wochen und Monate auf sich gestellt, Fünf- oder Sechsjährige versorgten jüngere Geschwister. Hadi war zwei, als das Erdbeben kam, und wurde 9 Wochen lang von der älteren Schwester versorgt, bevor das Team die beiden fand und in eine Familie vermittelte. Für dieses Projekt vermittelt die Zeltschule auch Partnerschaften.

Dazu kommt Nothilfe bei Krisen in der Region, von der Explosion im Beiruter Hafen bis zum Erdbeben.

Was du tun kannst

Florys wichtigste Bitte: Werde Mitglied. Das kostet 11 € im Jahr und gibt dem Verein eine sichere Einnahmequelle. Das Ziel sind so bald wie möglich 100 Schulen, gebraucht würden 500. Zum Schluss zeigt Flory einen anderen Alan, 22 Monate alt, aus einem Camp in Nordsyrien. Die Familie hat einen Ofen im Zelt und bekommt Lebensmittel, und Alan wird die Schule im Camp besuchen. Er steht für die Kinder, die nicht auf ein Boot nach Europa steigen müssen, sondern in ihrer Heimat lernen können.

Häufige Fragen

Was macht die Zeltschule?

Die Zeltschule baut Schulen in Flüchtlingscamps im Libanon und in Syrien und versorgt die Familien mit Wasser, Lebensmitteln, Kleidung und medizinischer Hilfe, damit die Kinder zur Schule gehen können.

Wie kann ich die Zeltschule unterstützen?

Zum Beispiel mit einer Mitgliedschaft für 11 € im Jahr. Für das Projekt für Erdbebenwaisen vermittelt der Verein auch Partnerschaften.

Speaker

Jacqueline Flory

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