Ein Angebot der EMBRACE Family
EMBRACECommunity

EF25Festival-Session · KI & Automatisierung

HR-Chatbot einführen: Hilft KI wirklich gegen Ressourcenknappheit in HR?

Du willst einen HR-Chatbot einführen, weil deiner Personalabteilung Leute fehlen? Alexandros Tsuvaltzidis aus dem Produktmanagement von Haufe zeigt auf dem EMBRACE Festival 2025, wann KI in HR wirklich entlastet und wann sie Ressourcen nur verschiebt. Mit Zahlen aus dem Projekt bei der Dussmann Group und Lehren aus vielen Gesprächen mit Unternehmen.

  • Mit Alexandros Tsuvaltzidis
  • Von Haufe
  • Format Festival-Session · EMBRACE Festival 2025
  • Jahr 2025
HR-Chatbot einführen: Hilft KI wirklich gegen Ressourcenknappheit in HR?Video für Mitglieder · kostenlos

Das nimmst du mit

  1. Klär zuerst, welches Problem du lösen willst. Wer KI einführt, nur weil alle darüber reden, verschwendet Ressourcen. ▶ 5:35
  2. Miss den Ist-Zustand: Bei Dussmann dauerte eine Anfrage etwa 5 Minuten. Hochgerechnet ergab das 108 Tage im Jahr. ▶ 7:27
  3. Rechne den Betrieb mit ein: Daten aktuell halten, Qualität prüfen und Datenschutz klären kostet laufend Zeit. ▶ 9:25
  4. Schneid das Thema klein und teste früh, statt auf eine Lösung für alle Probleme oder die nächste Version zu warten. ▶ 14:25
  5. Bau KI-Wissen in HR auf. Die Inhalte für den Chatbot pflegt nicht die IT, sondern die Personalabteilung. ▶ 21:36

Sieh dir alle 27 Minuten an, mit dem Dussmann-Beispiel und der Fragerunde zu Datenmanagement und Vertrauen, und lade die Folien herunter. Kostenlos für Mitglieder.

Kostenlos beitreten

Ressourcenknappheit in HR: Warum alle auf KI schauen

Haufe fragt in den eigenen Formaten regelmäßig nach der größten Herausforderung von Personalabteilungen. Über zwei Jahre steht immer dasselbe auf Platz 1: fehlende oder limitierte Ressourcen. Das betrifft laut Tsuvaltzidis alle Unternehmensgrößen und Branchen, den öffentlichen Dienst genauso wie die Privatwirtschaft. Und der Hauptgrund, sich mit KI zu beschäftigen, ist Entlastung.

Der Druck ist real: 82% der Menschen in Personalabteilungen sagen, das Arbeitspensum sei zu groß und sie machten Überstunden. Das führt in eine Spirale bis zu Quiet Quitting oder Burnout. Vor 3 Jahren wollten viele HR-Teams von KI noch nichts wissen. Mit ChatGPT kippte die Stimmung, plötzlich sollte KI alle Probleme lösen.

Tsuvaltzidis setzt dagegen eine einfache Frage: Ist der Einsatz sinnvoll? Einsetzen lässt sich KI überall. Doch manche Unternehmen kommen nur, weil alle über KI reden, und können nicht sagen, welches Problem sie lösen wollen. Dann verschwenden sie genau die Ressourcen, die ohnehin fehlen.

HR-Chatbot einführen: Was das Beispiel Dussmann zeigt

Die Dussmann Group hat den HR-Chatbot von Haufe eingeführt, um die Hotline zu entlasten und das Ticketaufkommen zu senken. Vorher hat das Team gemessen, wie lange eine Mitarbeitendenanfrage dauert: etwa 5 Minuten. Aufs Jahr hochgerechnet gewinnt die Personalabteilung so 108 Tage zurück. Tsuvaltzidis empfiehlt diese Messung jedem, der über einen Chatbot nachdenkt.

Ehrlich ist der Nachsatz: Die 108 Tage bekommst du nicht geschenkt. Auch ein Chatbot braucht Ressourcen, damit er läuft. Haufe trainiert den Bot deshalb mit eigenem Fachcontent vor, Kunden ergänzen nur noch unternehmensspezifische Informationen und Links zu Systemen und Dokumenten.

Entlastung gibt es auch auf der anderen Seite. Mitarbeitende wollen Infos zu Zeiterfassung oder Benefits sofort und am liebsten selbst finden, gerade in der Einarbeitung. Diese Erwartung erzeugt Druck auf HR. Self-Service funktioniert aber nur, wenn die Informationen stimmen und die Mitarbeitenden im Umgang mit KI geschult sind.

„Am Ende vom Tag zählt aber nur ein Kriterium und zwar die Qualität der Antworten muss stimmen.“

Alexandros Tsuvaltzidis · im Video ab 25:46

Selbst bauen oder kaufen: Was beim Eigenbau oft fehlt

Viele Kunden fragen, ob sie so eine Lösung nicht selbst bauen können. Können sie, sagt Tsuvaltzidis, wenn Fachwissen, Geld und Zeit da sind. Wer Entlastung sucht, steckt beim Eigenbau aber oft mehr Ressourcen hinein, als am Ende frei werden. Denn nach dem Aufsetzen geht es weiter: Daten aktualisieren, Qualität prüfen, Datenschutz klären und mit Blick auf den EU AI Act nachweisen, wie eine Antwort entstanden ist.

Ein typischer Fehler: PDFs hochladen und hoffen, dass die generative KI daraus gute Antworten bastelt. Manche Kunden wollen mehrere hundert Dokumente einspielen. Dann stellen sich Fragen nach Versionierung, Datenstruktur und Standorten mit ähnlichen Themen. Datenlücken sind gefährlich, denn generative KI liefert trotzdem irgendeine Antwort.

Dazu kommt die Hoffnung, die IT werde sich schon kümmern. Die Inhalte pflegt dort aber niemand. Das Wissen, was eine KI-Lösung erfolgreich macht, muss in HR und im ganzen Unternehmen wachsen.

Akzeptanz für den HR-Chatbot: Testen schlägt Planen

Laut einer Studie, die Tsuvaltzidis zeigt, nutzen im Personalmanagement 3% generative KI, künftig sollen es 8% sein. 77% derjenigen, die generative KI noch nie genutzt haben, wollen nichts damit zu tun haben. Es fehlt an Vertrauen und an Wissen zum Datenschutz.

Wie unberechenbar Akzeptanz ist, zeigt ein Kundenbeispiel: Ein Unternehmen gab seinem Chatbot einen Namen, einen Lebenslauf und eine saubere interne Kommunikation. Genutzt wurde er trotzdem nicht. Andere Kunden kommunizierten kaum und haben hohe Nutzungszahlen. Unternehmenskultur, Prozesse und Gewohnheiten entscheiden. Deshalb rät Tsuvaltzidis, das Thema klein zu schneiden, früh zu testen und nicht auf die nächste Version zu warten.

Vertrauen entsteht über Zeit und über gute Antworten. Wer Mitarbeitende früh einbindet, etwa bei der Namensgebung, schafft eine Verbindung zum Bot. Prüf außerdem, ob du Arbeit wirklich sparst oder nur von A nach B verschiebst. Das ist der erste Schritt, bevor du ein Tool auswählst.

Häufige Fragen

Lohnt sich ein HR-Chatbot für Mitarbeiteranfragen?

Laut Tsuvaltzidis dann, wenn du vorher klärst, welches Problem er lösen soll, und den Ist-Zustand misst. Bei Dussmann ergaben etwa 5 Minuten pro Anfrage hochgerechnet 108 Tage im Jahr, wovon der laufende Betrieb noch abgeht.

Sollte HR einen KI-Chatbot selbst bauen?

Das geht, wenn Fachwissen, Geld und Zeit vorhanden sind. Wer Entlastung sucht, unterschätzt aber oft den Aufwand für aktuelle Daten, Qualitätsprüfung und Datenschutz.

Wie schaffe ich Akzeptanz für einen HR-Chatbot?

Bezieh Mitarbeitende früh ein, etwa bei der Namensgebung, und sorg für gepflegte Daten. Entscheidend ist die Qualität der Antworten, denn nach mehreren schlechten Antworten nutzt niemand den Bot weiter.

Speaker

306Beiträge in Wissen & Praxis

Lernen aus der Praxis. Kostenlos.

Videos, Folien, Whitepaper und durchsuchbare Transkripte aus Festival, HR Slam, Trendence Awards und Webinaren. Mit Learnings, die dich direkt an die richtige Stelle im Video bringen.