Das nimmst du mit
- Komm vom Wow zum Wert: Copilot-Lizenzen für alle ohne Training bringen kaum Veränderung. Befähige Menschen, die Tools wirklich zu nutzen. ▶ 8:25
- Hüte dich vor goldenen Äpfeln: Wähl ein spitzes Thema, schaff dort echten Mehrwert und miss ihn, erst qualitativ, dann mit ein, zwei Prozess-KPIs. ▶ 10:16
- Setz auf Learning Nuggets statt klassischer Learning Journeys: kurze Formate als Text, Video oder Audio, je nach Vorliebe. ▶ 16:53
- Verankere die Arbeitgebermarke nach innen: Bei E.ON sind Mitarbeitende die Gesichter der Kampagne, per Fotosäule an den Standorten. ▶ 15:25
- Mach Ambition messbar: E.ON schafft 30 Tage von Bewerbung bis Angebot inklusive Betriebsratsfreigabe, 96 Prozent der Angebote werden angenommen. ▶ 19:12
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Kostenlos beitretenWo KI bei E.ON heute schon wirkt
Christopher d'Arcy verantwortet bei E.ON Daten und KI, führt die E.ON Digital Technology und ist dort auch für HR und für digitale Weiterbildung im Konzern zuständig. E.ON hat 77 000 Mitarbeitende und 47 Millionen Kunden und investiert bis 2028 43 Milliarden Euro. Der Grund ist die Energiewende: Ein Netz, das 100 Jahre lang für zentrale Kraftwerke gebaut wurde, muss plötzlich Strom von PV-Anlagen aufnehmen und Wärmepumpen und Ladesäulen versorgen. Digitalisierung ist für E.ON deshalb Lebensnotwendigkeit.
KI ist dabei kein neues Thema, der Begriff stammt von 1956. Neu ist generative KI. E.ON nutzt KI zum Beispiel, um mit Drohnen Leitungen abzufliegen und Bäume zu erkennen, die hineinwachsen. Bei Smart Metern prüft KI per Foto, ob der Anschluss korrekt ist, mit einer Erkennungsrate von 90 Prozent. Dazu kommen Minuten-Prognosen für Wolkenzüge über PV-Feldern, Hilfe im Kundendienst und Arbeitsanweisungen für den Außendienst.
Vom Wow zum Wert: KI-Kompetenz statt Lizenzen
Das größte Risiko sieht d'Arcy im Wow-Effekt. Ein KI-Bild von sich selbst nimmt Menschen die Angst vor KI, verändert aber nicht den Firmenwert. Wer Copilot an alle verteilt, ohne zu trainieren, erreicht im Zweifel keine Veränderung. d'Arcy erzählt dazu die Sage von Atalante, die einen Wettlauf verliert, weil sie immer wieder goldene Äpfel aufhebt.
Die Lehre: Fehlender Fokus und permanente Richtungswechsel kosten dich das Rennen. Such dir ein spitzes Thema, schaff dort echten Mehrwert und miss ihn, erst qualitativ, dann mit ein oder zwei Prozess-KPIs wie Tempo, Qualität oder Durchsatz. Und bau eigene Kompetenz auf. E.ON hat dafür eine interne Tech-Beratung mit inzwischen 650 Leuten gegründet, weil der Konzern zu abhängig von Drittdienstleistern geworden war.
„KI Wissen darf kein Herrschaftswissen sein, weil es wird nur funktionieren, wenn alle Mitarbeiter es konsequent einsetzen können.“
Tech-Talente gewinnen: Purpose und Mitarbeitende als Gesichter
Die Energiewirtschaft galt historisch nicht als besonders sexy. E.ON Digital Technology positioniert sich deshalb dort, wo Leidenschaft für Technologie auf Sinn trifft: Ohne die Energiewende geht das Licht aus. Die Gesellschaft ist eine reine Technologiefirma mit über 1700 Leuten und versteht sich als Tech Core des Konzerns.
Die Arbeitgebermarke wirkt nach innen wie nach außen. Mitarbeitende haben sie mitentwickelt und getestet. Sie sind die Gesichter der Kampagne und können sich an den Standorten an Fotosäulen selbst fotografieren. Die Botschaft zieht sich bis in die Messeauftritte. Ziel waren 30 Millionen erreichte Menschen, erreicht wurden 50 Millionen.
Für HR war das eine Chance, sich zu emanzipieren. Die HR-Abteilung kam vor rund drei Jahren aus Wellen der Reorganisation. Statt einen Platz am Tisch zu fordern, hat sie mit kleinen Erfolgen Vertrauen verdient.
KI-Kompetenz aufbauen mit Learning Nuggets
Die neue Welt darf nicht nur den Neuen gehören. Mit Digital Empowerment lädt E.ON alle Mitarbeitenden ein, in drei Feldern: persönliche Produktivität, Automatisierung und KI. Die Zielgruppe reicht von Leuten, die Stromkästen installieren, bis zu denen, die Jahresabschlüsse machen.
Klassische Learning Journeys hat E.ON verworfen. Stattdessen gibt es Learning Nuggets im TikTok-Stil, als Text, Video oder Audio. Getestet werden sokratisches Lernen und KI-Lernagenten. Das Team geht dorthin, wo die Menschen sind: in Foren, in Spezialprogramme für Field Installer und in alle Führungskräftetrainings. KI-Wissen darf kein Herrschaftswissen sein. Und statt fünf konkurrierender Angebote erzählt der Konzern eine integrierte Geschichte.
Erfolg messbar machen: dein erster Schritt
d'Arcy quantifiziert die Ambition. Im Schnitt kommen 200 Bewerbungen auf eine Stelle, auf KI-Stellen bis zu 400. Von der Bewerbung bis zum Angebot vergehen 30 Tage, inklusive Betriebsratsfreigabe. 96 Prozent der Angebote werden angenommen, auf Kununu liegt die Weiterempfehlungsrate bei 93 Prozent. Die Mitarbeitendenzufriedenheit liegt bei 8,7 auf einer Skala von 1 bis 10.
Kultur entsteht durch Vorleben. d'Arcy hat kein eigenes Büro und ist meist dort unterwegs, wo die Menschen arbeiten. Dein erster Schritt: Such dir ein KI-Thema mit klarem Nutzen, stell erste Erfolge auf die Bühne und lass andere mit guten Beispielen leuchten.
Häufige Fragen
Wie baue ich KI-Kompetenz bei Mitarbeitenden auf?
E.ON setzt auf kurze Learning Nuggets als Text, Video oder Audio, geht in bestehende Foren und Führungskräftetrainings und macht KI-Wissen für alle zugänglich. Lizenzen allein bewirken laut Christopher d'Arcy wenig.
Wie gewinnt man Tech-Talente in einer traditionellen Branche?
E.ON Digital Technology verbindet Leidenschaft für Technologie mit dem Sinn der Energiewende. Mitarbeitende sind die Gesichter der Kampagne, und der Prozess bis zum Angebot dauert 30 Tage.
Speaker
Christopher d'Arcy
E.ON




