Das nimmst du mit
- Starte beim Problem: Man kann alles machen, aber nicht alles macht Sinn. Die Lösung muss zu Prozess und Zielgruppe passen. ▶ 0:54
- Senk die Hürde: Sprachbewerbung mit Voice-to-Text und Übersetzung holt Menschen ab, die sich schriftlich oder auf Deutsch nicht trauen. ▶ 9:23
- Frag trotzdem ab, was du brauchst. Ultrakurze Bewerbungen nur mit Namen erzeugen am Ende mehr Arbeit. ▶ 6:01
- Werd schneller: Der nächste Kontakt dauert oft viel zu lange. Self-Scheduling nach der Vorqualifikation spart Nachtelefonieren. ▶ 5:19
- Setz die Vorqualifikation regelbasiert auf: erst K.-o.-Kriterien wie Sprachkenntnisse oder Arbeitserlaubnis, dann gewichtete Fragen. ▶ 12:55
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Kostenlos beitretenLuft raus aus dem AI-Hype
Auf Messen wie der Unleash in Paris steht an fast jedem Stand „AI für dein Recruiting“. Kund:innen von Talk&Job berichten, dass große Anbieter mit KI-Angeboten auf sie zukommen. Kaum jemand weiß noch, worum es eigentlich geht. Kramper will das Thema sortieren. Der Leitsatz von Talk&Job: Man kann zwar alles machen, aber nicht alles macht Sinn.
Kramper kommt aus dem Handel und denkt von der Zielgruppe her. Talk&Job sitzt in Heidelberg, ist seit fünf Jahren am Markt und hat mit Sprachbewerbungen begonnen. Der Fokus liegt auf nicht-akademischen Jobs und Young Professionals. Diese Zielgruppe verhält sich anders, hat andere Erwartungen und wird in großen Unternehmen oft von anderen Teams betreut.
Wo der Recruiting-Prozess für nicht-akademische Jobs hakt
Kramper betrachtet den Prozess wie Lead-Generierung im Vertrieb. Zuerst muss der Job ausgespielt werden, sonst ist das Geld weg. Dann muss die Anzeige auffallen: Mit „Wir wollen unser Team verstärken“ sticht niemand mehr heraus. 80 % der Menschen suchen passiv. Sie wollen es einfach haben, Formulare sind out. Ihr Smartphone haben aber alle dabei.
Je niedriger die Hürde, desto mehr Bewerbungen kommen, auch unpassende, die zusätzliche Arbeit machen. Danach hakt es oft beim nächsten Kontakt. Kramper kennt Fälle aus dem Blue-Collar-Bereich, in denen nach zwei Wochen ein Standardschreiben kommt, mit der Bitte, Unterlagen nachzureichen. Geschwindigkeit ist heute auf beiden Seiten extrem wichtig. Beim Interview setzt Talk&Job dagegen weiter auf persönliche Begegnung.
Barrierefreiheit heißt aber nicht, auf Informationen zu verzichten. Ganz kurze Bewerbungen nur mit Name und Vorname bringen am Ende des Tages mehr Arbeit.
„Wir hätten nicht ein einziges Mal die Vorqualifikation verkauft, wenn die AI getrieben wäre.“
KI im Recruiting sinnvoll einsetzen: Sprachbewerbung im Chat
Bewerben hat sich immer verändert. Kramper schrieb Ende der 80er den ersten Lebenslauf mit der Schreibmaschine, Ende der 90er kamen teure Bewerbungsmappen, dann Formulare und Messenger. Heute zählt, was Kandidat:innen nutzen und was schnell geht.
Bei Talk&Job bewerben sich Menschen per Sprache. Hier setzt KI an: Das System erkennt die im Handy eingestellte Sprache und startet den Chat direkt darin. Voice-to-Text, Text-to-Speech und automatische Übersetzung kennen Kandidat:innen aus dem Alltag, Berührungsängste gibt es kaum. Viele sprechen Deutsch, trauen sich aber nicht. Im Lebensmittelhandel laufen teils über 80 % der Bewerbungen über Talk&Job, weil dort fast jede Kundin und jeder Kunde schon eine Kandidatin oder ein Kandidat ist.
Bei vielen Standorten wählen Kandidat:innen im Chat selbst den passenden aus. Nach der Vorqualifikation buchen sie direkt einen Termin. Das spart Nachtelefonieren und erhöht die Verbindlichkeit. GIFs und Animationen machen den Chat lockerer, passen aber nicht zu jedem Job und jedem Unternehmen. Am Ende landen die Daten direkt im ATS.
Warum die Vorqualifikation regelbasiert bleibt
Bei der Vorauswahl zieht Kramper eine klare Grenze. Mit KI-getriebener Vorqualifikation wäre Talk&Job nie durch den Datenschutz gekommen, und im Team ist immer jemand dagegen. Regelbasierte Lösungen gelten als gesellschaftsfähig. Dazu kommt: KI funktioniert noch nicht zu 100 %. Im Bewerbungsprozess darf es keine Fehler geben, denn die Bewerbung ist deine Visitenkarte.
Ein Beispiel ist der National Health Service in Großbritannien. Der NHS wollte Gruppen erreichen, für die das alte System nicht funktionierte. Fast drei Viertel aller Bewerbungen kamen über Talk&Job. Die Fragen waren in Blöcke geteilt: zuerst K.-o.-Kriterien wie Sprachkenntnisse oder Arbeitserlaubnis, dann gewichtete Fragen mit Gesamtergebnis. Wer durchkam, bekam vertiefende Fragen, etwa zu einem Use Case. 1.300 Bewerbungen von Ärzt:innen in zwei Tagen ließen sich so innerhalb einer Stunde auf eine Shortlist bringen.
Dein erster Schritt: Prüf, an welcher Stelle deines Prozesses Kandidat:innen abspringen oder warten, und setz Technik genau dort ein. Bewerben muss so einfach sein wie auf einem Bierdeckel.
Häufige Fragen
Wo macht KI im Recruiting Sinn?
Laut Markus Kramper dort, wo sie Hürden senkt: bei Spracherkennung, Voice-to-Text und automatischer Übersetzung. Bei der Vorauswahl setzt Talk&Job auf Regeln, weil KI noch nicht fehlerfrei arbeitet.
Wie bekomme ich mehr Bewerbungen für nicht-akademische Jobs?
Mach es einfach: keine Formulare, Bewerbung per Smartphone und Sprache, schnelle Rückmeldung. 80 % der Zielgruppe sucht passiv und will wenig Aufwand.
Speaker
Markus Kramper
Talk&Job




