Ein Angebot der EMBRACE Family
EMBRACECommunity

34Beiträge · 25 Videos

KI im Recruiting: Was Unternehmen ausprobieren und wo die Grenzen liegen

KI im Recruiting ist längst mehr als ChatGPT für Stellenanzeigen. Hier findest du 34 Vorträge, Panels und Masterclasses aus der EMBRACE Community, in denen Unternehmen wie Lidl, DKV Mobility, Netlight und die Deutsche Bahn zeigen, was sie mit KI ausprobiert haben. Dazu kommen die Grenzen: Bias, die KI-Verordnung und Bewerbungen, die selbst von KI geschrieben sind.

Zuerst ansehen

Festival 2026 · VideoKI im Recruiting: Sechs Praxisbeispiele von den Queb HR Innovation Awards 2026Sechs Pitches, ein Live-Voting: Lidl zeigt den Kampagnenmanager Lars, die Deutsche Bahn ihr KI-Programm für 600 Menschen in der Personalgewinnung.Jessica Linke, Jens BielmannFestival 2026 · VideoRecruiting-Chatbot einführen: Wie Lidl Tempo vor Perfektion setztWie Lidl nach einem gestoppten ersten Anlauf den Recruiting-Chatbot Lara in 49 Tagen live brachte und warum Tools nur verstärken, was schon da ist.Stephanie Blesch, Elmar RosendalFestival 2025 · VideoKI Active Sourcing: So erreicht DKV Mobility passive Kandidat:innenWie DKV Mobility mit einem KI-Sourcing-Agenten passive Kandidat:innen erreicht, mit 2 bis 3 Minuten Aufwand pro Stelle.Sarah Issiakou, Jonas KrömerFestival 2025 · VideoKI-Agent im Active Sourcing: Wie Netlight mit Video-Ansprache Zeit gewinntNetlight und aurio zeigen einen KI-Agenten im Active Sourcing: personalisierte Videos, A/B-Test und die saubere Anbindung ans ATS.Aliosha Milsztein, Moritz HochholznerTrendence Awards 2024 · VideoCustom-GPT im Recruiting: Was KI über Stellenanzeigen hinaus kannDrei Beispiele zum Nachbauen: ein Custom-GPT fürs Team, das KI-Telefoninterview der niederländischen Post und Feedback-Auswertung in Google Sheets.Madeleine TimmerFestival 2026 · VideoKI-Verordnung im Recruiting: Warum Abwarten der größte Bremsklotz istInfineon, Indeed, Coca-Cola Europacific Partners und ALDI DX zur KI-Verordnung: wann KI zum Hochrisikofall wird und was Human Oversight heißt.Christina Marpe, Ute Neher, Nick Fleischer, Jens Bielmann, Bernd SchmitzFestival 2026 · VideoKatharina Zweig: Warum KI in der Personalauswahl nicht objektiv istWarum maschinelles Lernen nur aus Heuristiken besteht, was ein Pferdebild über KI-Fehler verrät und eine Checkliste für den KI-Einkauf.Prof. Dr. Katharina ZweigFestival 2026 · VideoKI-Bewerbungen erkennen? Etan Bernstein setzt auf verifizierbare NachweiseWarum du KI-Bewerbungen nicht erkennen, sondern Angaben verifizieren solltest, und wie verifizierbare digitale Nachweise funktionieren.Etan Bernstein

Wo hilft KI im Recruiting heute schon?

Texte für Stellenanzeigen sind laut milch & zucker der erste KI-Anwendungsfall, der sich im Recruiting durchgesetzt hat. Du oder Sie, Aufzählung oder Fließtext und die Tonalität sind dort fest in den Prompts hinterlegt. Drüberlesen bleibt Pflicht, denn bei exotischen Jobs kann die KI fantasieren. HeyJobs gibt dem Talent Attraction Team einen eigenen Custom-GPT, der aus wenigen Stichpunkten Anzeige und Interviewfragen entwirft.

Der zweite Hebel ist Zeit. In einem Fallbeispiel von milch & zucker frisst die Sichtung der Bewerbungen 35 Prozent der Prozessdauer, die Einladung zum Interview 22 Prozent. Mit Automatisierung sinkt die Gesamtdauer laut Folien um 54 Prozent. Lidl nennt die Interviewplanung als Paradebeispiel für Aufgaben ohne menschlichen Input. Die gewonnene Zeit fließt in Gespräche mit Hiring Managern und Kandidat:innen.

KI im Recruiting: Praxisbeispiele von Lidl bis zur niederländischen Post

Bei den Queb HR Innovation Awards 2026 gewinnt Lidl mit Lars, dem Lidl Automated Recruiting System. Lars erstellt Anzeigen aus dynamischen Templates in zwei Minuten und verteilt Budgets nach Echtzeit-KPIs. Laut Lidl spart das eine halbe Million Euro im Employer Branding pro Jahr und knapp 20 Euro pro Bewerbung. Die Deutsche Bahn schult die 600 Menschen in der Personalgewinnung, ein eigenes LLM hilft bei über 80.000 Fragen pro Jahr.

Madeleine Timmer von HeyJobs zeigt, wie die niederländische Post Bewerbende auf Wunsch von einer KI anrufen lässt. Charlie, ein System von Scotty AI, stellt Screeningfragen und bucht Termine. Die Einstellungskosten sanken um 73 Prozent, die Time-to-Interview von 4 auf 0,5 Tage. Lidl brachte den Chatbot Lara nach 49 Tagen auf der polnischen Karriereseite live.

Auch KI-Agenten sind angekommen. Beim Personaldienstleister Teamwork überträgt ein Agent Bewerbungen von eBay Kleinanzeigen ins Bewerbermanagementsystem, Paul Wagner kontrolliert die Arbeit täglich. Im Pitch von everbay ruft die KI-Agentin Anna Bewerbende Minuten nach der Bewerbung an, entscheidet aber nie selbst.

„Anna entscheidet nie, sondern Anna bereitet vor, denn die Entscheidung wird immer der Mensch treffen.“

Kay Ackermann in KI im Recruiting: Sechs Praxisbeispiele von den Queb HR Innovation Awards 2026 · im Video ab 17:51

Active Sourcing und Matching: Wie KI passende Talente findet

Bei DKV Mobility arbeitet das Recruiting mit 3,2 Vollzeitstellen. Mit einem KI-Sourcing-Agenten von Skillconomy kostet Active Sourcing pro Stelle 2 bis 3 Minuten. Der Agent durchsucht 21 Millionen Profile und schreibt passende Menschen mit einer KI-erstellten, persönlichen Nachricht an, gut 53 Prozent reagieren. Eingestellt war über diesen Kanal beim Vortrag noch niemand, Zweitgespräche liefen.

Bei Netlight laufen 90 bis 95 Prozent der Einstellungen über Active Sourcing. Mit dem Agenten von aurio entsteht aus der Ausschreibung eine Shortlist. Ein Mensch nimmt pro Stelle ein Video auf, die KI personalisiert es für jede Person. Gegen Skepsis half ein Testballon über 3 Monate: Im A/B-Test schnitt die Ansprache mit Video bei der Interaktionsrate besser ab.

XING rechnet mit rund 12 Stunden Sourcing pro Besetzung und setzt auf Talent Pools, Wechselsignale und KI-Vorschläge für Nachrichten. Matching-Anbieter wie Empion versprechen weniger, aber passendere Bewerbungen: Im Fallbeispiel sank die Time to Hire von 67 auf 22 Tage. Die Zahlen stammen vom Anbieter selbst.

„Für mich ist der Aufwand beim Active Sourcing stand heute 2 bis 3 Minuten. Und ich muss mal sagen, also so gut habe ich noch nie Active Sourcing gemacht …“

Sarah Issiakou in KI Active Sourcing: So erreicht DKV Mobility passive Kandidat:innen · im Video ab 12:02

Wo liegen die Grenzen? Bias, Fehler und KI-Bewerbungen

Prof. Dr. Katharina Zweig zeigt im Vortrag Besser entscheiden mit Maschinen: Maschinelles Lernen besteht nur aus Heuristiken und ist nicht von sich aus objektiv. Lernt ein System aus Jahren der Arbeitslosigkeit, unterscheidet es nicht zwischen erfolgloser Suche und Elternzeit. Dr. Olena Linnyk ergänzt im Panel zu KI im HR: Ein Recruiter stellt vielleicht einmal falsch ein, ein automatisches System 100.000 Mal pro Jahr.

Dazu kommt die andere Seite: Bewerbende lassen Lebensläufe von KI schreiben oder schicken per Agent Tausende Bewerbungen. In einer Studie, die Etan Bernstein von der Velocity Network Foundation zitiert, baute ChatGPT im Schnitt 14 Ausschmückungen in Lebensläufe ein. KI mit KI zu erkennen, hält Bernstein für ein Wettrüsten, das du verlierst. Besser ist die Frage, ob sich die Angaben verifizieren lassen.

Talk&Job hält die Vorqualifikation bewusst regelbasiert: KI funktioniert noch nicht fehlerfrei, und im Bewerbungsprozess darf es keine Fehler geben. Bias steckt schon in der Sprache. Laut einer Auswertung der EURES-Datenbank, die Olena Linnyk von milch & zucker zeigt, sind die Anzeigen dort im Schnitt eher männlich formuliert.

„Aber es muss einem einfach klar sein, die Maschine ist nicht von sich aus objektiv, dafür müssen Menschen sorgen, dass das gut eingebunden ist.“

Prof. Dr. Katharina Zweig in Katharina Zweig: Warum KI in der Personalauswahl nicht objektiv ist · im Video ab 9:02

Was sagt die KI-Verordnung zum Recruiting?

Im Queb-Panel zur KI-Verordnung nennt Bernd Schmitz den neuesten Termin für den Hochrisikobereich, der HR am meisten betrifft: den 2. Dezember 2027. Nick Fleischer (Infineon) unterscheidet zwischen Information und Entscheidungsvorbereitung. Ein Chatbot, der den Bewerbungsprozess erklärt, informiert nur, ein Matching-Score impliziert gute und schlechte Kandidat:innen. Laut Andreas Hansen von Potentialpark gilt hohes Risiko, wo Bewerbende profiliert werden, und das betrifft die meisten ATS.

Hochrisiko heißt aber nicht verboten. milch & zucker erstellt technische Dokumentation, schreibt Logs, überwacht die Anwendung und betreibt Matching auf selbst gehosteten Modellen in Europa. Für die Vorauswahl nutzt das Unternehmen Matching erst, wenn eine Zertifizierung nach dem AI Act möglich ist. Human Oversight heißt laut Queb-Panel: verstehen, was die KI tut, im Zweifel anders entscheiden und das auditsicher dokumentieren.

Transparenz hilft auch bei Bewerbenden. Coca-Cola Europacific Partners maskiert im Vorab-Screening demografische Daten im Lebenslauf und sagt das offen.

Wie fängst du mit KI im Recruiting an?

Fang beim Prozess an, nicht beim Tool. Tools verstärken laut Stephanie Blesch von Lidl, was schon da ist, unklare Prozesse werden zu digitalem Chaos. Ana Fernandez-Mühl (milch & zucker) rät: erst digitalisieren, dann automatisieren, dann über KI nachdenken. Norman Mauer von Indeed empfiehlt, vor dem Kauf mit dem künftigen Nutzerteam aufzuschreiben, welches Problem das Tool lösen soll, und Datenbasis, Datenschutz und Bias zu prüfen.

Dann such dir einen klar umrissenen Use Case. Moritz Hochholzner von Netlight rät, die Zeit jedes Schritts in einer typischen Woche zu messen und mit Quick Wins zu starten. Die Deutsche Bahn setzt auf arbeitsrelevante Use Cases statt Showcases und fragt regelmäßig Nutzung und Zufriedenheit ab. Liste außerdem deine KI-Anwendungen auf: Welche informieren nur, welche bereiten Entscheidungen vor?

Häufige Fragen

Wo wird KI im Recruiting schon eingesetzt?

Durchgesetzt haben sich zuerst KI-Texte für Stellenanzeigen. Dazu kommen Chatbots und Telefon-KI für die Kommunikation mit Bewerbenden, die Interviewplanung und Active Sourcing mit KI-Agenten, etwa bei Lidl, der niederländischen Post und DKV Mobility.

Ist KI im Recruiting nach der KI-Verordnung erlaubt?

Grundsätzlich ja, aber vieles fällt in den Hochrisikobereich, etwa sobald Bewerbende profiliert werden. Hochrisiko heißt nicht verboten: Gefordert sind unter anderem Dokumentation, Transparenz und ein Mensch, der das letzte Wort hat. Verboten ist zum Beispiel eine Auswahl danach, was eine KI aus einem Gesicht abliest.

Darf KI Bewerbungen automatisch aussortieren?

Eine vollautomatisierte Bewertung von Qualifikationen ist in der EU laut Norman Mauer (Indeed) nicht zulässig. Anbieter wie everbay betonen deshalb: Die KI bereitet vor, die Entscheidung trifft der Mensch.

Wie erkenne ich KI-generierte Bewerbungen?

Laut Etan Bernstein (Velocity Network Foundation) gar nicht zuverlässig, denn Bewerbende haben immer die bessere KI. Sinnvoller ist es, Angaben zu verifizieren, etwa über digitale Nachweise oder ein Assessment früh im Prozess.

Ersetzt KI Recruiter:innen?

Bei Teamwork soll der KI-Agent Menschen nicht ersetzen, sondern sie sinnvoller einsetzen: Das Team gewinnt Zeit für Telefonate, Bewerbungsgespräche und Einstellungen. Lidl will Recruiter:innen langfristig in eine Talent-Advisory-Rolle entwickeln.

Alle 34 Beiträge zum Thema KI im Recruiting

322Beiträge in Wissen & Praxis

Lernen aus der Praxis. Kostenlos.

Videos, Folien, Whitepaper und durchsuchbare Transkripte aus Festival, HR Slam, Trendence Awards und Webinaren. Mit Learnings, die dich direkt an die richtige Stelle im Video bringen.