Das nimmst du mit
- Frag nicht mehr, ob KI kommt. Die größte Herausforderung ist, wie veränderungsfähig deine Organisation ist. ▶ 1:08
- Bau aus einzelnen KI-Tools ein System. Wenn Marketing und Vertrieb je eigene Tools nutzen, bleibt KI Tool-Bingo statt Infrastruktur. ▶ 15:11
- Trainier Urteilsvermögen: In einer Welt voller synthetischer Daten zählt weniger Wissen als die Fähigkeit, Echtes von Fake zu unterscheiden. ▶ 16:55
- Schaff Zeit, Wissen und Mut, damit erkannte Möglichkeiten nicht in Entscheidungsprozessen hängen bleiben. ▶ 18:31
- Klär vier Fragen: Was bewahren wir, was verändern wir, was fügen wir hinzu und was lassen wir los? ▶ 18:58
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Kostenlos beitretenWarum das Ob bei KI erledigt ist
Sven Göth beschäftigt sich seit 20 Jahren mit Technologie und der Entwicklung von Organisationen. Die größte Herausforderung ist für Göth nicht die Technologie, sondern die Frage, wie veränderungsfähig eine Organisation ist. KI steht dabei neben demografischem Wandel und geopolitischen Lagen. Der Unterschied: KI betrifft alle drei Säulen eines Unternehmens zugleich, also Geschäftsmodell, Kundenbeziehungen und die Art, wie dein Unternehmen zusammenarbeitet.
Über das Ob musst du laut Göth nicht mehr diskutieren, weil Infrastruktur und Vertrauen längst da sind. KI ist über das Smartphone fast überall verfügbar. Navigationssystemen und Empfehlungen vertrauen Menschen inzwischen ähnlich wie Freunden. Nicht, weil die Technik perfekt ist, sondern weil sie verlässlich ist. Dazu kommt: Viele Systeme sind so gut, dass kaum noch auffällt, ob du mit einer Maschine oder mit einem Menschen kommunizierst.
KI-Transformation im Unternehmen: neu denken statt nur automatisieren
Göth unterscheidet zwei Seiten. KI im Unternehmen entwickelt sich weiter bis hin zu Agenten. Gleichzeitig ist KI eine Schlüsseltechnologie. In Beratung und Forschung beschäftigt sich Göth vor allem damit, was passiert, wenn KI mit Robotik, autonomem Fahren, Cybersecurity und Quantencomputern zusammenkommt. Ein Beispiel aus der Robotik: Was früher vier, fünf Monate Anlernzeit brauchte, lernt ein Roboter über Simulationen heute in drei, vier Minuten. Auch Angreifer profitieren: 80 Prozent einer Cyber-Kill-Chain lassen sich automatisieren.
Noch wichtiger ist für Göth, Dinge neu zu denken. Dazu spielt Göth einen Song vor, der zu 99 Prozent künstlich erzeugt ist. Das Projekt hat sechs Monate gedauert, heute dauert ein Lied einen Tag und ein Album eine Woche. Unternehmen wie Warner und Sony interessieren sich dafür. Die Frage für jede Organisation lautet: Was ist heute nicht nur automatisierbar, sondern komplett neu denkbar?
Für HR heißt das: Teams umfassen künftig auch Agenten und Roboter. Bei BMW ist der Prototyp abgeschlossen, dort arbeiten Schweißer direkt neben dem Roboter am selben Produktionsschritt. Göth fragt deshalb, wie du solche Systeme in deine Wertschöpfung einpreist, welche du dir ins Haus holst und wie du sie als HR steuerst.
„Die größte Veränderung, die größte Herausforderung, die wir eigentlich haben ist, wie veränderungsfähig sind wir als Organisation.“
Vier Spannungsfelder, die HR kennen muss
Göth nennt vier Spannungsfelder. Erstens die Gefahr, dass Organisationen ihre Belegschaft nicht auf den Wandel einstellen. Zweitens: KI wird Infrastruktur. In vielen größeren Mittelständlern nutzt Marketing dies und Vertrieb das, ohne dass daraus ein System wird. Göth nennt das Tool-Bingo und fragt, wie aus Tools Systeme werden.
Drittens entkoppelt sich Wirtschaft von Arbeit. Junge Unternehmen kommen mit viel weniger Mitarbeitenden aus, weil sie mehr Technologie einsetzen. In großen Organisationen folgen darauf schnell Fragen nach Entlassungen oder dem Verzicht auf Junior-Einstellungen. Göth rät, realistisch zu prüfen, was sich tatsächlich entkoppeln lässt.
Viertens die Post-Reality-Gesellschaft: Feeds und Sprachmodelle erzeugen für jede Person eine eigene Realität. Wissen ist dann nicht mehr der Engpass, sondern Urteilsvermögen. Die Aufgabe lautet, einer Organisation beizubringen, Echtes von Fake zu unterscheiden, verlässliche Daten zu erkennen und gute Entscheidungen zu treffen.
Bewahren, verändern, hinzufügen, loslassen
Die erste Frage: Was gilt es zu bewahren, weil es heute gut ist und morgen gut sein wird? Göth nennt Amazon. Kein Kunde wird je verlangen, dass Amazon langsamer liefert, das Sortiment verkleinert oder die Preise erhöht. Genau darauf konzentriert sich Amazon und perfektioniert etwa die Last-Mile-Delivery.
Die zweite: Was gilt es zu verändern? Göth begleitet Disney nach eigenen Angaben seit 14 Jahren. In den Themenparks arbeiteten die Bereiche früher in Silos mit eigenen Tools, eigener Software und eigenen Teams. Daraus wurden ein System, ein Team und eine Wahrheit. Gäste geben ihre Wünsche in die Genie-App ein und werden mit einem Armband durch den Park geführt. Laut Göth stieg die Zufriedenheit um 70 Prozent, die Besucherzahl pro Tag von 60.000 auf 154.000 und der Umsatz um 20 Prozent.
Die dritte: Was fügst du hinzu? Göth zeigt den eigenen digitalen Zwilling GoSven, der das Wissen aus 20 Jahren Beratungsprojekten und Studien verinnerlicht hat. So ein Avatar entsteht laut Göth in 30 Minuten und lässt sich für Bildung und Onboarding nutzen. Die vierte: Was lässt du los, weil es morgen keinen Wert mehr hat? Als Beispiel nennt Göth Sennheiser, das die Consumer-Sparte abgegeben hat und sich auf den Profi-Bereich konzentriert.
Der erste Schritt: Zeit, Wissen und Mut einplanen
Um die vier Fragen zu beantworten, braucht es laut Göth drei Dinge. Zeit, um aus dem Alltag herauszutreten und zu verstehen, welche Zukunftsbereiche für dich relevant sind. Wissen, um Möglichkeiten realistisch abzuschätzen. Wer pauschal sagt, KI lohne sich nicht, hat für Göth noch nicht herausgefunden, wo sie Effizienz bringt oder Gestaltungsspielraum schafft. Und Mut, denn viele Unternehmen sehen die Möglichkeiten und verheddern sich dann in Prozessen darüber, ob das eine gute Idee ist.
HR steht dabei für Göth im Mittelpunkt. Wie gut eine Organisation die vier Fragen beantworten kann, liegt zu einem Teil in deiner Verantwortung. Ein erster Schritt: Nimm dir bewusst Zeit und geh für deinen Bereich durch, was bleiben soll, was sich ändern muss, was dazukommt und was wegfallen kann. Denn Zukunft ist kein Zufallsprodukt, sie folgt aus dem, was du heute tust.
Häufige Fragen
Wie gelingt die KI-Transformation im Unternehmen?
Laut Sven Göth entscheidet weniger die Technologie als die Veränderungsfähigkeit der Organisation. Es braucht Zeit, Wissen und Mut, um aus einzelnen Tools ein System zu bauen.
Welche Rolle spielt HR bei der KI-Transformation?
Göth sieht HR im Mittelpunkt. HR klärt, wie Teams mit Agenten und Robotern gesteuert werden und wie die Organisation lernt, Echtes von Fake zu unterscheiden.
Was bedeutet Tool-Bingo bei KI?
So nennt Göth den Zustand, wenn Abteilungen wie Marketing und Vertrieb jeweils eigene KI-Tools nutzen, ohne dass daraus ein gemeinsames System entsteht.
Speaker
Sven Göth
Founder & Curator CEO 500 / Business Futurist




