Das nimmst du mit
- Stärk Resilienz über Strukturen: Der größte Resilienzmuskel nützt nichts, wenn die Basis nicht stimmt. ▶ 2:14
- Setz auf Glaubwürdigkeit statt PR. Storytelling muss authentisch sein, denn worauf es jetzt ankommt, ist Vertrauen. ▶ 3:07
- Behandle Diversität nicht als Add-on: Sie ist eine Lebensrealität, die auch weh tut. Slogans tragen nur, wenn du sie im Ernstfall lebst. ▶ 5:06
- Gewichte bei der Auswahl Erfahrungswissen und Biografie stärker. Kompetenz bleibt Voraussetzung. ▶ 17:01
- Zeig Haltung: Keine politische Haltung zu haben, ist laut Tekkal selbst tiefpolitisch. ▶ 37:17
Sieh dir die ganze Keynote in 38 Minuten an, inklusive Gespräch über Diversity in den USA und die Rolle von Unternehmen. Kostenlos für Mitglieder.
Kostenlos beitretenGerman Angst in der Dauerkrise
Tekkal beginnt mit dem Rahmen: Innovation, Wirtschaft und Aufstieg setzen Frieden, Menschenrechte und Demokratie voraus. Das friedensverwöhnte Europa steht so unter Druck wie nie. Die Dauerkrise wird bleiben. In dieser Übergangsphase, in der das Alte weg und das Neue noch nicht da ist, fühlen sich viele Menschen überfordert. Wer mit Fluchthintergrund aufgewachsen ist, kennt parallele Krisen eher.
Für Tekkal geht es nicht darum, immer stark zu sein. Auch der größte Resilienzmuskel bringt nichts, wenn Strukturen keine soziale Gerechtigkeit und keine Basis schaffen. Ein Weg aus der Angst ist die Begegnung: raus aus Echokammern und Lagern, rein ins Gespräch mit Menschen, die anders denken.
Vertrauen entsteht über Menschen, nicht über PR
Heute geht es oft mehr um Glauben als um Fakten. Unternehmen müssen deshalb verstehen, dass Storytelling und Agenda Setting kein Selbstzweck vom PR-Reißbrett sind. Es braucht Authentizität und Glaubwürdigkeit, denn worauf es ankommt, ist Vertrauen. Und Vertrauen wird über Menschen vermittelt.
Meinung hält Tekkal für überbewertet: Es gibt keine Meinungsarmut, sondern eine Umsetzungsarmut. Entscheidend ist, was jemand konkret tut. Kritik bleibt wichtig, aber in sozialen Medien verwechseln viele Aktivismus mit Mobbing.
„Ich glaube, sich zurückzunehmen und zu sagen, dass man keine politische Haltung hat, ist tiefpolitisch.“
Vielfalt im Unternehmen ist eine Lebensrealität, die auch weh tut
Mit kurdisch-jesidischen Wurzeln und migrantisch gelesen in Deutschland aufzuwachsen, beschreibt Tekkal als großartig, aber auch als Zwang, Position zu beziehen. Daraus folgt eine klare These: Diversität ist kein Add-on, sondern eine Lebensrealität, die auch weh tut. Sätze wie „Vielfalt als Stärke“ kann man beiseitelegen, wenn sie im Ernstfall nicht gelebt werden. Und das in einer Zeit, in der jeder Vierte eine Zuwanderungsgeschichte hat.
Mit GermanDream setzt Tekkal auf den Aufstiegsgedanken für alle Menschen, mit und ohne Zuwanderungsgeschichte. Vorurteile, Klassismus und Rassismus verschwinden dabei nicht, egal was man erreicht. Was hilft: darüber reden, Scham und Schuld herausnehmen, Zorn nicht festhalten, sondern fließen lassen. Kraft gibt auch der Blick in die eigene Geschichte, bei Tekkal etwa die Großmutter, die 107 Jahre alt wurde.
Diese Haltung versucht Tekkal mit über 60 Mitarbeitenden im eigenen Team vorzuleben. Dazu gehört, kritikfähig zu bleiben und weiter zu lernen, auch wenn die Organisation selbst oft angegriffen wird.
Was das für Recruiting und Führung heißt
Wissen entsteht für Tekkal nicht nur aus Studium und Büchern, sondern aus Erfahrung. Bei der Auswahl achtet Tekkal nach eigener Aussage nicht auf Zeugnisse, weil es gerade um andere Werte geht. Kompetenz bleibt Voraussetzung. Daneben lohnt es sich, sich zwischenmenschlich und intuitiv auf Menschen einzulassen. In Angst-Momenten hilft eine Frage: Was ist größer als meine Angst? Die Antwort ist der eigene Purpose.
Im anschließenden Gespräch geht es um den Rückzug von Diversity-Programmen in den USA. Tekkal erschreckt, wie schnell Demokratie dort abgebaut wird. Umso wichtiger sind Räume wie das Festival, in denen Erzählungen hörbar bleiben, und Unternehmen, die Verantwortung übernehmen.
Optimismus entsteht bei Tekkal durchs Handeln und durch Begegnungen mit Menschen, die viel weniger Glück hatten. Die eigenen Privilegien werden dann nicht zum schlechten Gewissen, sondern zur Chance, sie sinnstiftend einzusetzen.
Haltung zeigen: Schweigen ist keine neutrale Option
Reden zu dürfen, bedeutet für Tekkal Macht. Wer anderen das Reden verbieten will, trägt dazu bei, dass Demokratie stirbt. Die letzte Frage aus dem Publikum lautet, welche Rolle Unternehmen spielen sollten. Tekkal antwortet klar: Sich zurückzunehmen und zu sagen, man habe keine politische Haltung, ist tiefpolitisch. Viele Beschäftigte können sich das nicht leisten, weil ihre Identität davon abhängt. Tekkal wünscht sich Menschen, die sich einmischen, auch ohne selbst betroffen zu sein, und die ihre Reichweite als Schallverstärker für andere nutzen.
Für deinen Alltag in HR heißt das: Prüf, ob eure Diversity-Versprechen auch gelten, wenn es unbequem wird. Schaff Räume für echte Begegnung. Und überleg, wo ihr als Organisation die Stimme für Beschäftigte erhebt, die sich Schweigen nicht leisten können.
Häufige Fragen
Sollten Unternehmen politisch Haltung zeigen?
Düzen Tekkal sagt ja: Keine politische Haltung zu haben, ist selbst tiefpolitisch. Viele Beschäftigte können sich Schweigen nicht leisten, weil ihre Identität betroffen ist.
Warum ist Diversität mehr als ein Slogan?
Für Tekkal ist Vielfalt eine Lebensrealität, die auch Konflikte mit sich bringt. Sprüche wie „Vielfalt als Stärke“ tragen nur, wenn ein Unternehmen sie im Ernstfall lebt.
Speaker
Düzen Tekkal




