Das nimmst du mit
- Gib dir nach einem Rückschlag kurz Zeit, dann stell die Frage: Höre ich deswegen auf? Drechsler hat sich drei Tage eingeschlossen und danach weitergemacht. ▶ 14:16
- Hab Geduld, wenn die Leistung fehlt: „Geduld und Zeit kommt man weit“ war der Satz, der Drechsler durch Verletzungen getragen hat. ▶ 16:33
- Bau auf ein Team und Partner, die auch nach einer Verletzung hinter dir stehen. Das macht Krisenjahre verkraftbar. ▶ 29:44
- Nimm mentale Gesundheit früh ernst: Trotz guter körperlicher Verfassung blieb die Leistung aus. Rückblickend hätte Drechsler früher mit einem Mentaltrainer gearbeitet. ▶ 27:49
- Leg dir rechtzeitig einen Plan B zurecht. Drechsler hatte vor Sydney mit Partnern geklärt, wie es beruflich nach dem Sport weitergeht. ▶ 31:39
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Kostenlos beitretenDer erste Absprung: Mut, bevor ein Plan da ist
Mit 12 Jahren hat Heike Drechsler einen Traum: die Olympischen Spiele. Der Wechsel auf eine Sportschule in der DDR ist der erste große Absprung. Die Mutter hat die größten Zweifel, Drechsler folgt dem Herzen. Einen Plan gibt es noch nicht. Das erste Jahr im Internat ist hart. Doch das tägliche Training zeigt Wirkung, und mit dem Sport wachsen auch das Selbstbewusstsein und die Noten in der Schule.
Mit 16 Jahren kommt Drechsler in die Nationalmannschaft der DDR. Bei der ersten Hallen-Europameisterschaft der Erwachsenen reicht es nur zum letzten Platz. Ein Schock. Geholfen haben ein Trainer, der auch ein guter Psychologe war, die Trainingsgruppe und die Familie. Die Botschaft des Trainers: Du hast toll trainiert, sei stolz, dass du hier dabei bist.
Umgang mit Rückschlägen: Boykott, Hexenschuss, Wende
Mit 18 Jahren holt Drechsler den WM-Titel. Dann kommt die Nachricht, dass die DDR nicht zu den Olympischen Spielen 1984 fährt. Drei Tage schließt sich Drechsler ein und weint. Danach steht die Frage im Raum: Höre ich deswegen auf? Mit 19 Jahren lautet die Antwort nein. Es folgen vier harte Jahre bis zu den nächsten Spielen. Drechsler vergleicht das mit einem Projekt, auf das ein Team lange hinarbeitet und das plötzlich gestoppt wird.
In Seoul folgt eine Woche vor dem 100-m-Sprint ein Hexenschuss. Der Trainer sagt nur: Geduld und Zeit kommt man weit. Drechsler steigert sich von Wettkampf zu Wettkampf, ist zehnmal am Start und gewinnt zweimal Bronze und einmal Silber. Trotzdem bleibt das Gefühl, in dieser Mannschaft zähle nur Gold. Bei der Rückkehr in Berlin dürfen die Goldgewinner vorn aussteigen, alle anderen hinten.
Danach kommen Erschöpfung, ein beantragtes Regenerationsjahr, die Geburt des Sohnes und kurz darauf die Wende. Vieles bricht weg, es gibt Anfeindungen und existenzielle Fragen. Mit 24 Jahren entscheidet sich Drechsler für das, was am besten läuft: den Sport. Die Trainingslager sind jetzt selbst organisiert, Partner glauben an das Comeback. Bei den nächsten Spielen gibt es Gold in der gesamtdeutschen Mannschaft.
„Zweifel ist normal, Mut ist eine Entscheidung. Und Gold ist eigentlich, wo man dran bleiben sollte …“
Warum Team, Partner und mentale Stärke tragen
1995 kann Drechsler trotz guter körperlicher Verfassung die Leistung nicht abrufen. Die Psyche spielt eine große Rolle, sagt Drechsler heute, und mit einem Mentaltrainer hätte die Arbeit früher beginnen sollen. Dann kommt eine Verletzung, Atlanta fällt trotz Qualifikation aus. Die Partner bleiben an Bord. Wer solche Partner hinter sich weiß, verkraftet solche Jahre anders.
Vor einer Weltmeisterschaft folgt eine Wadenzerrung, der Gedanke ans Aufhören liegt nahe. Der Sohn erinnert an die Spiele 2000 in Australien, und das Feuer ist wieder da. Parallel baut Drechsler mit starken Partnern einen Plan B für die Zeit nach dem Sport auf.
In Sydney sitzen 110 000 Menschen im Stadion. Diesmal ohne Druck: Andere sind besser, aber was kann passieren? Der dritte Sprung trifft das Brett perfekt. Nach dem sechsten Versuch steht fest: Olympiasieg mit 35 Jahren. Die Medaille gehört für Drechsler allen, die in diesen Jahren geholfen haben.
Was du aus dem Vortrag für dich und dein Team mitnimmst
Drechsler überträgt die Erfahrung auf den Beruf. Der Start bei der BARMER fühlte sich an wie ein Neuanfang bei null. Die Erfahrung kommt mit, aber Gold heißt dranbleiben, Schritt für Schritt. Für HR und Führung steckt darin eine klare Lehre: Höchstleistung entsteht nur im Team. Ein Umfeld, das nach einer Niederlage hinter Menschen steht, macht das Comeback möglich. Drechsler versucht, die Stärken aus dem Sport ins Berufliche mitzunehmen.
Der erste Schritt ist klein. Du musst nicht olympisch denken, rät Drechsler, sondern im Alltag deinen eigenen Weg finden und dich darauf fokussieren. Bewegung macht stark, es muss kein Marathon sein. Und wenn Zweifel kommen, gilt das Fazit des Vortrags: Zweifel ist normal, Mut ist eine Entscheidung.
Häufige Fragen
Wie geht man mit Rückschlägen im Job um?
Drechsler nimmt sich nach einem Rückschlag kurz Zeit, akzeptiert, was sich nicht ändern lässt, und fragt dann: Höre ich deswegen auf? Geduld, ein tragendes Team und ein klares Ziel helfen beim Weitermachen.
Was bedeutet „Zweifel ist normal, Mut ist eine Entscheidung“?
So fasst Heike Drechsler den Vortrag zusammen: Zweifel gehören zu jedem großen Schritt. Mut heißt, trotzdem zu entscheiden und dranzubleiben.
Speaker
Heike Drechsler
BARMER




