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EF25Festival-Session · KI & Automatisierung · Employer Branding

Zukunft der Arbeit: Was HR aus dem Mut der 80er lernen kann

Wie gestaltest du die Zukunft der Arbeit, wenn KI die einen begeistert und die anderen in Panik versetzt? Dr. Jens Saadhoff von der EMBRACE.Agency blickt auf dem EMBRACE Festival 2025 zurück in die 80er, auf Walkman, PC und die Anfänge von New Work. Der Vortrag zeigt, welche Haltung HR daraus für Technologie, Sinn und Vielfalt mitnehmen kann.

  • Mit Dr. Jens Saadhoff
  • Von EMBRACE.Agency
  • Format Festival-Session · EMBRACE Festival 2025
  • Jahr 2025
Zukunft der Arbeit: Was HR aus dem Mut der 80er lernen kannVideo für Mitglieder · kostenlos

Das nimmst du mit

  1. Sieh KI nicht als Endgegner, sondern als Enabler: zum Finden von Talenten, für effizienteres Recruiting und bessere People Analytics. ▶ 12:59
  2. Mut heißt Handeln trotz Angst. Such zwischen naivem Fortschrittsglauben und dystopischer Panik eine klare Haltung. ▶ 5:48
  3. Biete mehr als einen Arbeitsplatz: Wer Talente gewinnen will, stiftet Sinn, ermöglicht Beteiligung und fördert Entwicklung. ▶ 17:10
  4. Behandle Menschen und Kultur als strategischen Faktor, nicht als Ressource. Sie sind mindestens so wichtig wie Strategie und Struktur. ▶ 16:59
  5. Steh zu Vielfalt und Werten, auch bei Gegenwind. Corporate Social Responsibility ist heute keine Wohlfühlmaßnahme, sondern ein Stresstest. ▶ 21:04

Sieh dir alle 26 Minuten an, mit dem Apple-Spot von 1984 und dem Bogen von Bergmann bis heute, und lies im Transkript nach. Kostenlos für Mitglieder.

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Brave New World: zwischen Naivität und Dystopie

Das Festival-Motto „A Brave New World“ hielt Saadhoff zuerst für unmöglich. Bei Aldous Huxley steht der Begriff für eine technologische Diktatur ohne Individualität und Freiheit. Ursprünglich stammt er aus einem Drama von Shakespeare: Dort staunt die junge Miranda über Schiffbrüchige, die sich später als Mörder und Verräter entpuppen. Der Begriff vereint also Dystopie und völlige Naivität.

Genau das passt zu den Debatten von heute, sagt Saadhoff. Rund um KI, Big Data und Automatisierung schwankt die Diskussion zwischen naivem Fortschrittsglauben und dystopischer Verdammnis. Die Mitte steckt im Wort „brave“, also mutig. Mut ist weder Feigheit noch Waghalsigkeit, sondern Handeln trotz Angst. Diese Haltung trägt nach vorn.

Die 80er: Aufbruch, Technik und die Angst um Jobs

Die 80er verbanden technologischen Fortschritt mit Optimismus: Die Zukunft galt als machbar. Der Walkman machte Musik mobil, 1984 kam der Macintosh, 1985 Windows 1. Bill Gates warb für einen PC auf jedem Schreibtisch, und das Time Magazine setzte 1982 erstmals eine Maschine statt eines Menschen aufs Cover.

Der Apple-Werbespot von 1984 zeigt die Spannung dieser Zeit: Technologie als Bedrohung im Bild von Big Brother und zugleich als Befreiung. Neben der Aufbruchstimmung gab es Angst, dass Computer Menschen ersetzen. Gewerkschaften protestierten, Bilder von leeren Fabriken gingen um. Dieselbe Abwehr erleben wir heute bei KI und Automatisierung.

Saadhoff verweist auf eine Studie von McKinsey: Durch KI fallen Hunderte Millionen Arbeitsplätze weg, mindestens genauso viele entstehen neu. Gleichzeitig fallen laut der Keynote zum Festival selbst bei moderater Zuwanderung bis zu 400.000 Arbeitskräfte pro Jahr weg. KI und Automatisierung können das in Teilen ausgleichen. Technik wird so zum Cheatcode gegen den Fachkräftemangel.

„Wir glauben, dass die Technologie für die Menschen da ist und nicht statt den Menschen.“

Dr. Jens Saadhoff · im Video ab 24:16

New Work und Sinn: Ideen, die in den 80ern begannen

In den 80ern fragten immer mehr Menschen, wofür sie eigentlich arbeiten. Der Philosoph Frithjof Bergmann entwickelte ein Verständnis von Arbeit, die nicht nur Broterwerb ist, sondern zu Selbständigkeit, Freiheit und Teilhabe führt. Bergmann teilte Arbeit in drei Bereiche: Erwerbsarbeit, Selbstversorgung und Arbeit, die man wirklich will.

Auch das Bild von Mitarbeitenden änderte sich. Lange galt: Sicherer Job und genug Gehalt machen zufrieden. Mit Blick auf die Bedürfnispyramide nach Maslow rückten Anerkennung, Zugehörigkeit und Selbstverwirklichung in den Fokus. 1982 erschien „In Search of Excellence“ von Tom Peters und Robert Waterman mit der Erkenntnis, dass Menschen und Kultur mindestens so wichtig sind wie Strategie und Struktur.

Für das Recruiting heißt das bis heute: Wer Talente gewinnen will, bietet mehr als einen Arbeitsplatz. Du stiftest Sinn, ermöglichst Beteiligung und förderst Entwicklung. Für Employer Branding ist das kein neuer Trend, sondern eine Idee mit 40 Jahren Vorlauf.

Purpose und Vielfalt: Warum Haltung heute ein Stresstest ist

Die 80er feierten Gewinnstreben, 1987 lief „Wall Street“ mit dem Satz „Greed is good“. Gleichzeitig zeigten Unternehmen neue Wege: Body Shop stellte Umweltschutz nach vorn, Ben & Jerry’s kümmerte sich um Arbeitsbedingungen und Lieferketten, IBM veröffentlichte 1984 eine Antidiskriminierungsrichtlinie, die auch Homosexuelle einschloss. Viele belächelten das damals als Widerspruch zum Gewinnstreben.

Heute ist Purpose weiter gefragt. Themen wie Diversity, Equity und Inclusion haben aber starken Gegenwind, viele Unternehmen fahren ihre Programme zurück. Saadhoff berichtet, dass auch Kunden der Agentur Posts zur Vielfalt diskutieren oder zurückziehen, bis hin zu Beiträgen zum Weltfrauentag. Corporate Social Responsibility ist damit keine Wohlfühlmaßnahme mehr, sondern ein echter Stresstest.

Zukunft der Arbeit gestalten: Mut als Haltung für HR

Saadhoff glaubt an eine Arbeitswelt, in der sich Menschen auf das konzentrieren, was sie zu Menschen macht: das Kreative und das Zwischenmenschliche. Vielfalt anzuerkennen und zu fördern tut Unternehmen und Gesellschaft gut. Dazu gehören unterschiedliche Arbeitsformen, ob zusammen, virtuell oder remote.

Ob KI zum Jobkiller oder zum Jobmotor wird, haben HR-Verantwortliche mit in der Hand. Der Vortrag rät zu einer Haltung zwischen den Extremen: nicht naiv, nicht pessimistisch, sondern mutig. Technologie ist für die Menschen da, nicht statt der Menschen. Ein erster Schritt: Prüf, wo KI dir beim Finden von Talenten hilft, und bleib bei deinen Werten, auch wenn der Wind dreht.

Häufige Fragen

Was bedeutet New Work nach Frithjof Bergmann?

Bergmann entwickelte Anfang der 80er ein Verständnis von Arbeit, die nicht nur Broterwerb ist, sondern zu Selbständigkeit, Freiheit und Teilhabe führt. Arbeit teilte Bergmann in Erwerbsarbeit, Selbstversorgung und Arbeit, die man wirklich will.

Ist KI ein Jobkiller?

Saadhoff verweist auf eine McKinsey-Studie: Durch KI fallen Hunderte Millionen Arbeitsplätze weg, mindestens genauso viele entstehen neu. Ob KI Jobkiller oder Jobmotor wird, liegt laut Vortrag auch in der Hand von HR.

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