Ein Angebot der EMBRACE Family
EMBRACECommunity

EF25Festival-Session · Recruiting & Active Sourcing · Ausbildung & Young Talents

Gamification im Assessment Center: 200 Einladungen, 41 Bewerbende, 2 Azubis

Gamification im Assessment Center klingt nach Spielerei. Heiko Kreth vom Helmholtz-Zentrum Berlin zeigt auf dem EMBRACE Festival 2025, wie daraus ein Auswahltag wird, auf den sich Bewerbende freuen: alle einladen, Handytest, Rocket League im Team, kurze Interviews und der Ausbildungsvertrag noch am selben Tag. Dazu kommen das ehrliche Feedback eines neuen Azubis und die Einordnung eines Recrutainment-Experten.

  • Mit Heiko Kreth
  • Von Helmholtz-Zentrum Berli
  • Format Festival-Session · EMBRACE Festival 2025
  • Jahr 2025
Gamification im Assessment Center: 200 Einladungen, 41 Bewerbende, 2 AzubisVideo für Mitglieder · kostenlos

Das nimmst du mit

  1. Lade alle Bewerbenden ohne Vorauswahl ein und bleib bis zum Termin per Mail, Instagram und WhatsApp in Kontakt. So kommen vor allem die wirklich Motivierten. ▶ 6:20
  2. Lass den Eignungstest per QR-Code auf dem eigenen Handy der Bewerbenden laufen. Das spart Papier, und die Ergebnisse landen direkt bei dir. ▶ 9:53
  3. Nutz das Spiel als Beobachtungssituation, nicht als Wettkampf: Beim Rocket League zählt das Verhalten im Team, nicht der Sieg. ▶ 11:40
  4. Plan die Wartezeiten mit. Die Phase der Auswertung und Interviews fühlte sich für Bewerbende wie Leerlauf an. ▶ 17:12
  5. Setz Spiele nur als Baustein eines multimodalen Verfahrens mit Test und Interview ein. Allein sind Spielbeobachtungen als Auswahlkriterium riskant. ▶ 27:46

Sieh dir alle 34 Minuten an, mit Imagefilm, Azubi-Interview und Gespräch über Recrutainment, und lade die Folien herunter. Kostenlos für Mitglieder.

Kostenlos beitreten

Gamification im Assessment Center beginnt mit der Einladung

Das Helmholtz-Zentrum Berlin suchte zwei Azubis zum Fachinformatiker für Systemintegration und hatte 200 Bewerbungen auf dem Tisch. Statt drei Viertel des Stapels auszusortieren, lud das Team alle 200 ein. Kreth erzählt den Prozess als Rollenspiel mit Hauptquest und Nebenquest, und die Hauptquest beginnt genau mit dieser Entscheidung.

Wichtig ist, was danach passiert. Die Einladung verlangt keine Rückmeldung. Stattdessen bleibt das Team in Kontakt: per Mail zwei Monate vorher, zwei Wochen vorher und am Tag davor, dazu auf Instagram und WhatsApp. Videos erklären, wie der Tag abläuft, dass wirklich gespielt wird und wie man sich vor Ort zurechtfindet. Eine Landingpage zeigt den aktuellen Stand des Verfahrens. Parallel bewertet das Team alle Lebensläufe gegen ein vorher festgelegtes Anforderungsprofil.

Am Ende kamen 41 Bewerbende. Für Kreth sind das genau die Richtigen: 41 Leute, die richtig Lust auf eine Ausbildung haben.

Handytest, Rocket League, Kurzinterview: der Ablauf am Tag

Der Tag startet mit Catering, Licht und Musik. Im Hörsaal erklärt die IHK Berlin, was sie für alle leisten kann, die an diesem Tag keinen Vertrag mitnehmen. Dann kommt der Test. Das Team hat ihn aus öffentlichen Testverfahren selbst zusammengestellt und die Fragen mit ChatGPT jugendlicher formuliert: Textverständnis und grundlegende Mathematik. Die Bewerbenden scannen einen QR-Code und beantworten die Fragen auf dem eigenen Handy. Die Ergebnisse landen direkt auf dem Server des Zentrums.

Testergebnis und Lebenslauf-Wert ergeben eine Reihenfolge. Die stärksten 16 gehen weiter, 25 gehen nach Hause. Dann wird gezockt: Rocket League, eine Art Fußball mit Autos, vier gegen vier. Hier greift für Kreth die DIN 33430, denn das Team beobachtet, wie sich die Spielenden verhalten. Es wird geflucht, gejubelt und viel geredet. Das ist gewollt, weil es auch zeigt, wer sich im Trubel konzentrieren kann. Wer gewinnt, spielt keine Rolle.

Zum Schluss folgen kurze Interviews. Das Team fragt nach Auffälligkeiten im Lebenslauf, etwa besonderen Ehrenämtern, und die Bewerbenden stellen endlich ihre eigenen Fragen. Danach gibt es die Vertragsangebote direkt auf die Hand. Noch am selben Tag startet das Preboarding mit einer WhatsApp-Gruppe.

„Es geht zu keinem Zeitpunkt darum zu gewinnen. Es ist vollkommen egal, wie gut jemand spielt, wie schlecht jemand spielt …“

Heiko Kreth · im Video ab 11:40

Wie ein neuer Azubi den Gaming-Tag erlebt hat

Joshua, einer der beiden neuen Azubis, berichtet auf der Bühne offen. Der Tag war lang und aufregend, weil das ganze Bewerbungsverfahren auf einen Tag schrumpft. Auf eine Antwort, die sonst einen Monat dauert, wartete Joshua hier eine bis anderthalb Stunden. Die Gespräche mit den anderen nach dem Test und das gut gelaunte Rocket-League-Team machten Spaß.

Kritik gibt es an den Wartephasen. Während Auswertung und Interviews saßen viele anderthalb bis zwei Stunden im Gaming-Raum und hatten irgendwann keine Lust mehr zu spielen. Dass es nur fünf Gespräche geben würde, wusste niemand. Joshuas Fazit fällt trotzdem sehr gut aus: kein wochenlanges Warten auf Rückmeldung. Und die Infos der IHK geben auch denen Orientierung, die keinen Platz bekommen.

Gamification im Recruiting ist kein Selbstzweck

Als zweiten Gast holt Kreth Jo Diercks von Cyquest auf die Bühne. Diercks befasst sich beruflich mit Gamification und Recrutainment. Gespielt wird in allen Lebensbereichen, also gehört Spiel auch in die Personalgewinnung. Es muss aber auf das eigentliche Ziel einzahlen: die richtige Person auf die richtige Stelle im richtigen Unternehmen.

Wer nur Rocket League spielen lässt und danach auswählt, geht ein Risiko ein, weil der Nachweis fehlt, dass das Spiel Berufserfolg vorhersagt. Eingebettet in ein multimodales Verfahren mit Test, Information und Interview kann das Spiel dagegen wenig falsch machen. Es schafft Atmosphäre, Sympathie und erste Bindung. Und es hilft bei den Absagen: Bei zwei Einstellungen aus 200 Bewerbungen bleiben 198 negative Botschaften. Wer trotzdem etwas mitnimmt, geht mit einem guten Gefühl.

Spiel ist dabei weit gefasst. Diercks nennt einen Fall von Fielmann, in dem Bewerbende virtuell ein Hörgerät einsetzen, ein Serious Game als Realistic Preview. Großes Potenzial sieht Diercks in VR und AR, etwa um jemanden virtuell auf ein Windrad in 200 Metern Höhe zu stellen. Durchgesetzt hat sich das noch nicht.

Employer Branding: Was der Aufwand bringt und wie du kleiner startest

Parallel lief die Nebenquest. Das Zentrum lud HR- und Ausbildungsleute aus ganz Deutschland ein, 20 kamen. Sie hörten Pitches der Dienstleister für Gamification und Film, eine Keynote zur Ausbildung in der Verwaltung und die Geschichte hinter dem Verfahren. Ein Team übernahm am Tag den Instagram-Kanal.

Muss es so groß sein? Nein, sagt Kreth, vieles kannst du weglassen. Der Aufwand zahlt aber auf die Employer Brand ein: messbare Erfolge bei der Candidate Experience, die das Team per Befragung erhoben hat, Markenstärkung über Social Media und neue Kontakte zur Arbeitsagentur und zu anderen Ausbildungsbetrieben. Dazu kommt Multiplikatorenmarketing, denn der Gamification-Partner stellt das Verfahren inzwischen selbst vor, etwa bei der Digitalen Woche in Kiel.

Für den Start reicht ein Baustein. Lade alle Bewerbenden ein, halte bis zum Termin Kontakt und gib den Abgelehnten etwas mit, zum Beispiel eine Beratung durch die Kammer. Ein Teamspiel kann den Tag dann tragen, solange Test und Interview dazugehören.

Häufige Fragen

Was bringt Gamification im Assessment Center?

Ein Teamspiel wie Rocket League schafft eine lockere Atmosphäre, in der Bewerbende sich öffnen und du Verhalten im Team beobachten kannst. Laut Jo Diercks funktioniert das nur als Teil eines Verfahrens mit Test und Interview.

Wie läuft ein Gaming-Assessment-Center für Azubis ab?

Am Helmholtz-Zentrum Berlin folgen auf einen Handytest ein Rocket-League-Teamspiel und kurze Interviews. Die Vertragsangebote gibt es noch am selben Tag.

Sollte ich alle Bewerbenden zum Assessment Center einladen?

Das Helmholtz-Zentrum Berlin lud alle 200 ein und hielt bis zum Termin Kontakt. Es kamen 41, die laut Kreth richtig Lust auf die Ausbildung hatten.

Speaker

Heiko Kreth

Helmholtz-Zentrum Berli

306Beiträge in Wissen & Praxis

Lernen aus der Praxis. Kostenlos.

Videos, Folien, Whitepaper und durchsuchbare Transkripte aus Festival, HR Slam, Trendence Awards und Webinaren. Mit Learnings, die dich direkt an die richtige Stelle im Video bringen.