Das nimmst du mit
- Plan mit KI in jedem Job: Die Bundesregierung geht davon aus, dass es bis Ende des Jahrzehnts keinen Job mehr ohne KI gibt. ▶ 2:28
- Bau AI Literacy auf allen Qualifikationsniveaus auf. Es geht nicht ums Coden, sondern um ein Grundverständnis, was KI macht und wie sie Arbeit besser macht. ▶ 12:23
- Schaff Vertrauen über klare Regeln: Emotionserkennung am Arbeitsplatz ist in Europa verboten, Daten von Beschäftigten brauchen transparente Regeln. ▶ 11:13
- Hol dir kostenlose Unterstützung: Den KI-Bus des Bundesarbeitsministeriums kannst du für Workshops mit Belegschaft, Personal- und Betriebsräten bestellen. ▶ 14:10
- Bezieh alle Gruppen in Gestaltung und Rollout von KI ein. Je besser das gelingt, desto höher sind laut Dujić die Produktivitätseffekte. ▶ 19:15
Sieh dir den ganzen Vortrag von Ana Dujić an, inklusive Fragerunde zu Arbeitszeit, KI im Ministerium und Volljuristen. Kostenlos für Mitglieder.
Kostenlos beitretenKI in der Arbeitswelt: Menschliche Arbeit bleibt, wird aber anders
Dujić startet mit einer Abfrage im Saal. Wer arbeitet direkt am Menschen, in Kita, Krankenhaus oder Bildung? Ein paar Hände. Wer bearbeitet E-Mails und Texte und sitzt in Meetings? Fast alle. Für genau diese Gruppe sagen einige Forscher voraus, dass eine Maschine sie theoretisch bald ersetzt. Im Arbeitsministerium sieht man das anders. Die Lage ist komplizierter, als die mediale Debatte suggeriert.
Zwei Botschaften stellt Dujić in den Mittelpunkt. Erstens: KI ist gekommen, um zu bleiben. Der Einsatz ist seit rund 2 Jahren exponentiell gestiegen, in allen Unternehmen und Branchen. Die Bundesregierung geht davon aus, dass es bis Ende des Jahrzehnts, also in rund 4 Jahren, keinen Job mehr ohne KI gibt.
Zweitens: Menschliche Arbeit bleibt erhalten. Die Diskussion über ihren Wegfall begleitet jede neue Maschine seit rund 100 Jahren, von der Dampfmaschine bis zum Roboter. Es entstehen sogar neue Jobs. Trotzdem bleibt nur sehr wenig so, wie es heute ist, und das in relativ kurzer Zeit.
Welche Regeln für KI am Arbeitsplatz gelten
Die Politik setzt laut Dujić Rahmenbedingungen: Fachkräfte qualifizieren und gewinnen, Infrastruktur und Rechenkapazitäten ausbauen, Rechtssicherheit schaffen. Die bekannteste neue Regel ist die europäische KI-Verordnung. Die Bundesregierung bemüht sich um eine bürokratiearme Umsetzung, plant voraussichtlich eine einzige Behörde als Ansprechpartner für Unternehmen und will kleinen und mittleren Unternehmen mehr Zeit verschaffen.
Zentral ist Vertrauen. Viele Beschäftigte haben Lust auf KI, gleichzeitig wachsen Bedenken und Ängste, auch weil die Entwicklung so schnell läuft. Deutschland und Europa setzen deshalb auf einen menschenzentrierten Ansatz: Technologie muss den Menschen dienen, nicht umgekehrt. Ein Beschäftigtendatengesetz soll die verstreuten Regeln zum Umgang mit Daten bündeln und die Persönlichkeitsrechte der Beschäftigten schützen.
Verboten sind nur wenige Dinge, die aber klar. Emotionserkennung am Arbeitsplatz, etwa über die Kamera im Laptop, darf in Europa weder genutzt noch gespeichert oder ausgewertet werden. Solche Grenzen sind laut Dujić wichtig, damit Beschäftigte der Technologie vertrauen.
„KI ist ein Werkzeug und wenn wir das gemeinsam klug gestalten, dann wird das ein gutes Werkzeug, was zu besserer Arbeit und zu stärkeren Unternehmen führt …“
AI Literacy: So befähigst du deine Belegschaft
In Deutschland gibt es rund 46 Millionen Beschäftigte. Für die Chancen von KI bleibt laut Dujić ein Zeitfenster von rund 5 Jahren. In dieser Zeit braucht es AI Literacy auf allen Qualifikationsniveaus und in allen Berufsbildern. Gemeint ist kein Programmierkurs, sondern ein Grundverständnis: Was macht eine KI, und wie nutze ich das Werkzeug so, dass meine Arbeit besser wird?
Dujić wählt bewusst ein Beispiel jenseits des Büros. In der Pflege geht viel Zeit für Dokumentationsbögen drauf, Spracheingabe über Portale nimmt hier Arbeit ab. Pflegekräfte müssen aber wissen, welche Daten für die Dokumentation genutzt werden, welche für die eigene Weiterentwicklung und welche nicht für eine verdeckte Leistungsüberwachung.
Konkrete Hilfe bietet das Bundesarbeitsministerium kostenlos. Den von Fraunhofer entwickelten KI-Bus kannst du ins Unternehmen bestellen. Er lässt sich an Berufsbilder vom Handwerk bis zum Lager anpassen, bringt ca. ein Dutzend Demonstratoren und ein Expertenteam mit und bietet Workshops für Belegschaft, Personal- und Betriebsräte. In Stuttgart und München gibt es zusätzlich KI-Studios, in denen du kostenlos einen Slot buchen kannst.
Warum KI eine Führungsaufgabe für HR ist
Auf HR kommt laut Dujić eine sehr große Führungsaufgabe zu. Der KI-Einsatz verlangt neue Skills, neue Geschäftsmodelle und eine neue Aushandlung von Beteiligung und Mitbestimmung im Betrieb. Dazu kommt die Frage nach neuen Ungleichheiten: Wer profitiert stark, bis hin zum Gehaltszettel, und welche Gruppen brauchen mehr Unterstützung? Frauen etwa werden in der digitalen Transformation derzeit benachteiligt, auch weil viele in assistierenden Funktionen arbeiten und selten an der Gestaltung der Technologie beteiligt sind.
Dujić verbindet das mit der Demokratie. Der Arbeitsplatz ist einer der letzten Orte, an denen Menschen jenseits ihrer Filterblasen an einem gemeinsamen Ziel arbeiten. Wie gerecht die Transformation im Betrieb gemanagt wird, hängt eng damit zusammen, wie gut die Gesellschaft als Demokratie funktioniert.
Wo menschliche Arbeit an Wert gewinnt
In der Fragerunde geht es um Berufseinsteigende, wenn KI etwa Volljuristen ersetzt. Dujić verweist auf eine OECD-Studie zu AI Capabilities: KI liegt demnach etwa auf dem Stand eines intellektuell leistungsstarken 16- bis 17-Jährigen. Erste Entwürfe und Berichte erstellt eine Maschine schneller. Urteilsfähigkeit, Einordnung und Weiterentwicklung bleiben beim Menschen. Arbeit mit alten und kranken Menschen sowie mit Kindern wird durch KI sogar aufgewertet.
Für deinen Start heißt das: Nimm die Ängste in deiner Belegschaft ernst, schaff Transparenz über Daten und Regeln und bau Grundwissen auf, bevor du ausrollst. Kostenlose Angebote wie KI-Bus und KI-Studios helfen beim Einstieg. Dujić will Mut machen: Wer KI gemeinsam klug gestaltet, bekommt ein Werkzeug für bessere Arbeit und stärkere Unternehmen.
Häufige Fragen
Wird KI menschliche Arbeit ersetzen?
Laut Ana Dujić bleibt menschliche Arbeit erhalten, es entstehen sogar neue Jobs. Die Arbeit verändert sich aber stark, bis Ende des Jahrzehnts gibt es nach Einschätzung der Bundesregierung keinen Job mehr ohne KI.
Ist Emotionserkennung am Arbeitsplatz erlaubt?
Nein. Mit der KI-Verordnung hat sich Europa darauf geeinigt, Emotionserkennung am Arbeitsplatz zu verbieten. Sie darf weder genutzt noch gespeichert oder ausgewertet werden.
Was bedeutet AI Literacy für Beschäftigte?
Ein Grundverständnis davon, was eine KI macht und wie Beschäftigte damit ihre Arbeit verbessern. Programmierkenntnisse braucht es dafür nicht.
Speaker
Ana Dujić




