Das nimmst du mit
- Beginn mit Führungsprinzipien und übersetz sie konsequent in Führungsprogramme und Diagnostik, über alle Hierarchieebenen. ▶ 7:41
- Vertrau als Grundsatz, ob im Büro oder im Homeoffice. Kein Tracking und keine Kontrolle per KI. ▶ 6:32
- Entwickle den Kulturkern von unten: Workshops an den Standorten, jeder Beitrag gezählt und geclustert. ▶ 9:12
- Hol Betriebsrat, Gesamt- und Konzernbetriebsrat von Anfang an an Bord. ▶ 19:39
- Bilde Culture Coaches aus allen Funktionen aus, die Kultur an ihren Standort tragen und lokal anpassen. ▶ 13:50
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Kostenlos beitretenKulturwandel im Unternehmen: Kultur ist ein Gefühl, kein Poster
Für Fanta ist Kultur kein Poster und kein Sticker. Kultur ist das Gefühl am Sonntagabend, wenn du an Montag denkst: an Kolleginnen und Kollegen, an die Arbeit, an die Aufgaben. Es geht um das, was ihr jeden Tag miteinander erlebt, vor Ort oder virtuell.
Körber ist vielen über die Körber-Stiftung bekannt. Die Körber AG baut unter anderem Anlagen, über die Blisterverpackungen für Medikamente laufen und Impfstoffe abgefüllt werden, und entwickelt Software für die Supply Chain. Ab 2020 hat der Konzern mehr als 40 Einzelmarken unter einer Marke zusammengeführt, weil so viele Marken für Kunden ein Albtraum waren.
Es gab Poster, Sticker und sogar Körber-Turnschuhe. Dann kam Covid, und ein Markenrollout an 100 Standorten weltweit, ohne sich zu sehen, wurde schwierig. Die Frage war: Wie wird die Marke auch innen zu einer?
Erst Führungsprinzipien, dann Programme
Körber begann bei den Führungskräften, mit Führungsprinzipien für alle Standorte. Dazu gehören unternehmerisches Denken aus der DNA des Gründers Kurt Körber, Ergebnisorientierung, Vertrauen, Befähigen und Bestärken sowie verschiedene Perspektiven feiern, inklusive Meinungsvielfalt. Vertrauen heißt konkret: egal ob im Büro oder im Homeoffice, kein Tracking und keine KI, die Arbeitseinheiten zählt.
Dann folgte ein radikaler Schritt. Körber stoppte alle Führungsprogramme und baute sie entlang der Prinzipien neu. Auch die Diagnostik bewertet Menschen seitdem nach diesen Maßstäben, durch alle Hierarchieebenen. Ein Leadership Guidebook mit praktischen Übungen hilft im Alltag. Weil 13.000 Beschäftigte über 7000 Jobtitel haben, setzt Körber auf individuelle Handlungsmöglichkeiten statt Einheitslösungen.
„Kultur ist für mich kein Poster und kein Sticker, wenn man es im Unternehmenskontext sieht, sondern es ist das Gefühl …“
Culture Core von unten: Workshops an Standorten weltweit
Den Kulturkern entwickelte Körber bottom-up. Ein Team reiste an die Standorte und veranstaltete Culture Workshops mit kreativem Material, von Stiften bis Knete. Jeder Post-it wurde gezählt, geclustert und bewertet, ohne KI, weil alles handschriftlich war. Den ersten Schritt ging das Unternehmen gemeinsam mit Vertretern des Konzernbetriebsrats.
Das Vertrauen in die eigenen Leute kam aus Erfahrung. Zum 75. Geburtstag 2021 suchte Körber 75 Gesichter fürs Intranet. Daraus wurden Career Pioneers, die bis heute ihre Körber-Geschichte auf LinkedIn und im Intranet erzählen. Rund neun Monate nach dem Start der Workshops stand der Culture Core: Trust und Collaboration.
Kultur in den Alltag bringen: Habit Cards und Culture Coaches
Im ersten Jahr gab es eine Serie von 52 Culture Habit Cards: Was kann ich in meinem eigenen Handlungsspielraum für Zusammenarbeit und Performance tun? Ein Team der Tech Community in Porto fand die Karten lästig und baute kurzerhand eine App. Im zweiten Jahr folgten darüber 52 Teamübungen. Die Karte „Use your time well“ gehört zu den meistgenutzten.
Weil Programme aus der Zentrale an vielen kleinen Standorten nicht ankommen, bildet Körber Culture Coaches aus. Freiwillige aus allen Funktionen, vom Management bis zur Produktion, tragen die Kultur an ihren Standort und passen sie lokal an. Die Academy läuft in der vierten Runde. Ziel ist ein Culture Coach an jedem Standort, auch im Vertriebsbüro mit 12 Leuten.
Was du für deinen Kulturwandel mitnimmst
Budget brauchte das Projekt kaum. Alles lief intern, mit eigenen Design- und Entwicklungskapazitäten. Kosten entstanden vor allem durch Reisen und Arbeitszeit. Ohne Agentur wirkte das Projekt glaubwürdig. Fanta empfiehlt, Betriebsrat, Gesamtbetriebsrat und Konzernbetriebsrat direkt mitzunehmen.
Auf den Einwand, es gebe viele Kulturen, antwortet Körber mit einem gemeinsamen Kern und lokaler Umsetzung. Keine Kompromisse gibt es bei toxischer Führung: Wer viel verkauft, aber diagnostisch toxisch führt, hat langfristig keinen Erfolg. Erzähl das Warum, arbeite lokal und nimm auch kritische Beiträge von unten auf. Kulturwandel braucht Jahre und ist kein Projekt mit Endpunkt. Dein erster Schritt: Führungsprinzipien formulieren und in Programme übersetzen.
Häufige Fragen
Wie startet man einen Kulturwandel im Unternehmen?
Bei Körber begann er mit Führungsprinzipien. Danach wurden alle Führungsprogramme und die Diagnostik neu ausgerichtet, der Kulturkern entstand bottom-up in Workshops an Standorten weltweit.
Was kostet ein Kulturwandel?
Bei Körber fast kein Budget, weil alles intern lief, vor allem Reisekosten und Arbeitszeit. Ohne Agentur wirkte das Projekt bei den Beschäftigten glaubwürdig.
Was sind Culture Coaches?
Beschäftigte aus allen Funktionen, auch aus der Produktion, die Kultur an ihren Standort tragen und lokal anpassen. Körber bildet sie in einer eigenen Academy aus, inzwischen in der vierten Runde.
Speaker
Gabriele Fanta




