Das nimmst du mit
- Lass Azubis einen FAQ-Katalog für Azubis schreiben und verweis im monatlichen Newsletter immer wieder darauf. ▶ 9:32
- Lass große Azubi-Gruppen Team Reps wählen, die Informationen bündeln und Fragen im Team klären. ▶ 11:26
- Starte Feedbackgespräche mit einer Skalierungsfrage: Wie geht es dir in der Ausbildung von 1 bis 10, und was brauchst du für die Zehn? ▶ 13:41
- Frag deine Azubis jährlich, was ihnen fehlt. Bei Achnitz fühlten sich 70 Prozent schlecht über Perspektiven nach der Ausbildung informiert. ▶ 19:48
- Takte Lerninhalte automatisch: Öffnet sich alle 30 Tage eine neue Schulung, deckst du 180 Tage Onboarding ab. ▶ 22:10
Sieh dir alle 28 Minuten an, mit dem Empowerment-Modell, der Skalierungsfrage und allen FLEX-Kursen, und lies im Transkript nach. Kostenlos für Mitglieder.
Kostenlos beitretenPersonalentwicklung für Azubis: Warum zu viel Betreuung bremst
Mit 24 übernahm Achnitz den Ausbildungsbereich eines Pharmaunternehmens am Standort Marburg: 100 Azubis, 60 Ausbildungsbeauftragte und knapp 3 Millionen Euro Budget. Rund sechs Jahre leitete Achnitz das Programm, heute führt Achnitz mit Bildungsreif ein Team von drei Leuten.
Den Anstoß gab eine Beobachtung aus der eigenen Ausbildung. Die damalige Ausbildungsleitung umsorgte die Azubis sehr, zu jeder Standardfrage gab es einen Anruf. So entstand eine Kultur des Fragens, nicht des Denkens. Die Folge: Ausgebildete Fachkräfte riefen noch ein halbes Jahr später mit Standardfragen an. Auch in der eigenen Rolle kamen 20% der E-Mails aus anderen Bereichen mit Fragen, deren Antwort längst in einer Wissensdatenbank stand.
Empowerment im Ausbildungsalltag: FAQ-Katalog und Team Reps
Achnitz entwickelte mit Ausbildungsbeauftragten und Ausbildenden ein Empowerment-Modell aus kleinen Maßnahmen, die wenig Geld und Zeit kosten. Zuerst schrieben Azubis für Azubis einen FAQ-Katalog, heute ein 20-seitiges PDF mit Standardfragen und Standardprozessen. Jede neue Standardfrage kommt dazu.
Damit der Katalog genutzt wird, muss er in die Kultur. Die Azubis gestalten einen monatlichen Newsletter, der mit „Did you know“-Hinweisen immer wieder auf den Katalog verweist. Dazu kamen gewählte Team Reps für Gruppen von 14, 15 Azubis, die Informationen bündeln. Das Ergebnis: weniger Standardfragen, ein besseres Teamgefühl und rund 100 Stunden, die Achnitz in Coaching stecken konnte.
„Dafür hilft ganz oft nicht eine Leistungsbeurteilung, sondern es hilft Fragen zu stellen und die inneren Ressourcen des Auszubildenden zu aktivieren.“
Coaching statt Leistungsbeurteilung
In halbjährlichen Feedbackgesprächen probierte Achnitz aus, mehr Fragen zu stellen und aktiv zuzuhören. Die Probleme, die Azubis dort ansprechen, sind selten fachlich: Prokrastination, Antriebslosigkeit, Konflikte mit Ausbildenden, persönliche und psychische Themen. Dagegen hilft keine Leistungsbeurteilung, sondern Fragen, die die inneren Ressourcen aktivieren.
Nach einer eigenen Coaching-Qualifizierung wurde auch das Ausbildungspersonal geschult. Heute gibt es jedes halbe Jahr ein einstündiges Coachinggespräch mit jedem Azubi. In einer Umfrage gaben 96% der Azubis an, dass Coaching ihnen geholfen und ihre Leistung verbessert hat. Ein einfacher Einstieg ist die Skalierungsfrage: Wie geht es dir von 1 bis 10, und was fehlt bis zur Zehn?
Ergänzend gab es zweistündige Impulstrainings, etwa zu Nachhaltigkeit oder Rhetorik und Kommunikation. Sie fielen später aus Ressourcengründen weg, auch das war ein Anstoß für Bildungsreif.
Strategische Personalentwicklung: der Gartenplan für deine Ausbildung
Die Lehrbuch-Definition hält Achnitz für zu sperrig und nutzt ein Bild: Azubis sind wie Pflanzen. Sie brauchen Wasser, guten Boden, Rückschnitt und ab und zu ein Gespräch mit dem Gärtner. Strategische Personalentwicklung ist der Gartenplan, der aus Wildwuchs Vielfalt und Kompetenz macht. Ziele sind Motivation, Qualifikation und Bindung, mehr Attraktivität als Ausbildungsbetrieb und weniger Fachkräftemangel.
Dazu gehören Anforderungsprofil, Einarbeitungs- und Ausbildungspläne, Rotation alle vier Monate, Qualifizierung auch außerhalb der Ausbildung, Perspektiven, Zielvereinbarungen und Beurteilungsgespräche. Eine Umfrage zeigte, dass die Eigenwahrnehmung des Betriebs nicht stimmte: 70% der Azubis fühlten sich nicht genug über Weiterqualifizierung und Perspektiven informiert, 40% fanden Einarbeitungspläne fehlend oder veraltet. Seitdem gibt es die Umfrage jährlich.
FLEX-Skills: Was Azubis neben dem Fachwissen brauchen
Die Umfrage zeigte auch einen großen Bedarf jenseits fachlicher Trainings: gute Gewohnheiten etablieren, finanzielle Bildung, Rhetorik und Kommunikation. Daraus entstanden bei Bildungsreif die FLEX-Skills, kurz für Future, Learning, Empowerment und Expertise. Sechs Onlinekurse gehören dazu, etwa Nachhaltigkeit verstehen, Digital Mindset, Konflikte meistern und Finanzen im Griff, ein siebter kommt hinzu.
Die Kurse sind didaktisch aufbereitet, mit Quizmodulen und Vorbereitungsaufgaben. Ein Beispiel aus der Gewohnheitsmethode: Mach dir gute Gewohnheiten leicht und leg die Sportmatte dorthin, wo du morgens als Erstes hinkommst. Für Ausbildungspersonal gibt es zusätzlich einen Kurs zu Coaching Skills mit 27 Lektionen und einem Methodenkoffer.
Die Kurse lassen sich ins Onboarding einbauen: Alle 30 Tage öffnet sich im Learning-Management-System eine neue Schulung, so sind 180 Tage abgedeckt. Laut Programmtext erreicht Bildungsreif seit 2024 über 180 Azubis bei einer Übernahmerate von 95 %. Dein erster Schritt ist kostenlos: Frag deine Azubis, was ihnen fehlt, und teste im nächsten Feedbackgespräch die Skalierungsfrage.
Häufige Fragen
Wie mache ich Azubis selbstständiger?
Achnitz setzt auf kleine Maßnahmen: einen FAQ-Katalog von Azubis für Azubis, einen monatlichen Newsletter, der darauf verweist, und gewählte Team Reps, die Fragen in der Gruppe klären.
Was sind FLEX-Skills?
FLEX steht für Future, Learning, Empowerment und Expertise. Gemeint sind Fähigkeiten jenseits des Fachwissens, etwa gute Gewohnheiten, finanzielle Bildung, Konfliktlösung und ein digitales Mindset.
Wie funktioniert Coaching in der Ausbildung?
Bei Achnitz gibt es jedes halbe Jahr ein einstündiges Coachinggespräch mit jedem Azubi. Statt zu bewerten, stellst du Fragen, hörst aktiv zu und aktivierst die Ressourcen der Person.
Speaker
Jan Achnitz




