Ein Angebot der EMBRACE Family
EMBRACECommunity

EF25Festival-Session · Recruiting & Active Sourcing · Ausbildung & Young Talents

Recruiting Game in der Ausbildung: Wie Fielmann Azubis den Beruf testen lässt

Ein Recruiting Game für die Ausbildung setzt an, bevor sich jemand bewirbt. Denn rund jede vierte Ausbildung endet anders als geplant. Jo Diercks von Cyquest zeigt auf dem EMBRACE Festival 2025 den Ausbildungsmatcher von Fielmann: schnelle Matching-Fragen plus virtuelles Praktikum für Augenoptik und Hörakustik, anonym und mobil, mit Studienergebnissen von Edeka und Porsche.

  • Mit Jo Diercks
  • Von Cyquest
  • Format Festival-Session · EMBRACE Festival 2025
  • Jahr 2025
Recruiting Game in der Ausbildung: Wie Fielmann Azubis den Beruf testen lässtVideo für Mitglieder · kostenlos

Das nimmst du mit

  1. Investier in die Selbstauswahl: Wenn sich die Richtigen auf den richtigen Job bewerben, wird alles danach leichter. ▶ 4:16
  2. Kombinier ein schnelles Matching mit einem virtuellen Praktikum: erst eine Orientierung in einer Minute, dann echte Situationen aus dem Berufsalltag. ▶ 12:13
  3. Halte das Tool anonym, ohne Registrierung und ohne Tracking. Sonst wird aus dem Self-Assessment ein versteckter Auswahltest. ▶ 17:42
  4. Du brauchst keine Materialschlacht. Dein Orientierungstool konkurriert mit Broschüre und Karriereseite, nicht mit großen Computerspielen. ▶ 23:42
  5. Setz den Call to Action ans Ende des virtuellen Praktikums: Wer gut passt, kommt direkt zu offenen Stellen und zum Schnuppertag. ▶ 30:27

Sieh dir alle 31 Minuten mit Screens aus dem Fielmann-Ausbildungsmatcher und den Studienergebnissen von Edeka und Porsche an. Kostenlos für Mitglieder.

Kostenlos beitreten

Warum Berufsorientierung über den Ausbildungserfolg entscheidet

Cyquest aus Hamburg baut seit rund 26 Jahren Tools, die Unternehmen und Menschen besser zueinander finden lassen. Ein Teil sind Auswahltests, etwa für Ausbildungsplätze bei der Allianz. Der andere Teil zielt auf die Selbstauswahl: die Entscheidung, die junge Menschen treffen, bevor sie sich überhaupt bewerben. Gelingt sie, wird laut Diercks alles, was folgt, leichter.

Die Ausgangslage ist schwierig. Je nach Zählweise gibt es in Deutschland zwischen 320 und 600 Ausbildungsberufe, dazu tausende Studiengänge. In Stellenanzeigen steht dann „Kundenkontakt“ oder „handwerkliche Tätigkeiten“, ohne dass eine 17-jährige Person weiß, wie sich das anfühlt. Die Folge: Die Abbruchquote liegt laut Diercks um 26 bis 27 Prozent. Das kostet Unternehmen viel Geld und ist für die Betroffenen frustrierend.

Der Fielmann-Ausbildungsmatcher: Matching plus virtuelles Praktikum

Bei Fielmann geht es vor allem um Augenoptik und Hörakustik. Viele Jugendliche kennen die Berufe nur aus der Fußgängerzone und wissen nicht, wie viel Handwerk dahintersteckt. Der Ausbildungsmatcher, den Cyquest mit Fielmann entwickelt hat, soll dieses Bild mit Leben füllen und Selbstreflexion anregen.

Das Tool ist ein Hybrid. Im ersten Teil beantworten Nutzende elf einfache Fragen per Zustimmung oder Ablehnung, zum Beispiel zur Beratung mit Körpernähe. Nach etwa einer Minute gibt es einen Zwischenbefund: passt Augenoptik, Hörakustik, beides oder keins? Alles ist mobile first gebaut und lässt sich erledigen, während die S-Bahn einfährt.

Im zweiten Teil folgt ein virtuelles Praktikum. Die Situationen stammen aus dem Berufsalltag und wurden mit der Critical Incident Technik ausgewählt: typische und kritische Momente, an denen es später oft scheitert. Es geht um Werkzeuge, um den Kundendialog und darum, worauf zu achten ist. In wenigen Minuten bekommen Jugendliche so ein realistisches Bild.

„Das hier konkurriert ja nicht mit League of Legends oder World of Warcraft, sondern das konkurriert mit der Broschüre oder dem Text auf der Karriereseite …“

Jo Diercks · im Video ab 23:31

Self-Assessment statt verstecktem Auswahltest

Diercks betont: Das Recruiting Game prüft nicht, ob jemand den Beruf schon kann. Es fragt, ob jemand Lust darauf hätte und sich das als berufliche Realität vorstellen kann. Deshalb ist alles anonym. Es gibt keine Registrierung und kein verborgenes Tracking, das Ergebnis sieht nur die nutzende Person.

Auch ein Nein ist ein gutes Ergebnis. Wer nach ein paar Minuten merkt, dass der Beruf nicht passt, bewirbt sich nicht und vermeidet so einen späteren Abbruch. Dazu kommt ein Image-Transfer: Fielmann bietet Hilfe bei einer Frage, die junge Menschen stresst, und davon profitieren Arbeitgebermarke und Verbrauchermarke.

Was Studien zu Recruiting Games in der Ausbildung zeigen

Für den Fielmann-Case ist es noch zu früh, das Tool lief zum Zeitpunkt des Vortrags erst wenige Wochen. Diercks bringt deshalb Befunde aus anderen Projekten mit. Bei Edeka gibt es Berufsorientierungsspiele etwa für Fleischerei-Fachverkauf und Einzelhandel. Eine Studie der Hamburger Fernhochschule zeigt: Die meisten Schülerinnen und Schüler fühlen sich danach sicherer in der Berufswahl und besser informiert. Fast die Hälfte gibt an, das Spiel habe sehr viel Spaß gemacht. Auch das Arbeitgeberimage profitiert.

Ähnlich sieht es beim Dream Jobfinder von Porsche aus, einem reinen Matching-Tool für über 30 Einstiegsmöglichkeiten. Auch hier helfen die Ergebnisse bei der Berufswahl, und die Schulnoten fallen noch etwas besser aus. Der Image-Effekt zählt selbst bei Porsche, denn dort werden auch Köche ausgebildet. Bei Fielmann sind die Zugriffe laut Diercks erfreulich, und die Tools werden durchgespielt.

So nutzt du ein Recruiting Game für deine Azubi-Gewinnung

Wichtig ist der Weg nach dem Spiel. Fielmann platziert den Call to Action im Gesamtfazit des virtuellen Praktikums. Wer gut passt, kann sich direkt auf offene Stellen bewerben, landet auf der Karriereseite und erfährt vom Schnuppertag in den Niederlassungen. Wer weniger gut passt, bekommt den Rat, sich intensiver mit der Berufswahl zu befassen. Dein erster Schritt: Sammle mit deinen Fachbereichen die typischen und kritischen Situationen deiner Ausbildungsberufe. Daraus entsteht der Inhalt für dein eigenes Orientierungstool.

Häufige Fragen

Was ist ein Recruiting Game in der Ausbildung?

Ein virtuelles Praktikum, in dem Interessierte typische Situationen aus dem Berufsalltag durchspielen. Es soll Selbstreflexion anregen und ist kein Auswahltest.

Wie kann ich Ausbildungsabbrüche reduzieren?

Laut Diercks über eine bessere Selbstauswahl: Wer vor der Bewerbung realistisch erlebt, was der Beruf bedeutet, trifft eine fundiertere Entscheidung. Die Abbruchquote liegt laut Vortrag um 26 bis 27 Prozent.

Haben Jugendliche Spaß an Orientierungstools?

Ja. In der Studie zu Edeka gibt fast die Hälfte an, das Spiel habe sehr viel Spaß gemacht, obwohl die Spielmechanik einfach ist.

Speaker

Jo Diercks

CYQUEST GmbH

306Beiträge in Wissen & Praxis

Lernen aus der Praxis. Kostenlos.

Videos, Folien, Whitepaper und durchsuchbare Transkripte aus Festival, HR Slam, Trendence Awards und Webinaren. Mit Learnings, die dich direkt an die richtige Stelle im Video bringen.