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KI in HR: Mit Mut, Daten und Haltung vom Hype zur Umsetzung

Alle reden über KI in HR, doch im Saal hat niemand die eigenen Prozesse komplett mit KI automatisiert. Ute Neher von Indeed zeigt in der Keynote auf dem EMBRACE Festival 2025, warum Angst nicht weiterhilft, woran die Umsetzung hakt und welchen Mut HR jetzt braucht: Tools hinterfragen, mit Daten Vertrauen schaffen und niemanden zurücklassen.

  • Mit Ute Neher
  • Von Indeed
  • Format Festival-Session · EMBRACE Festival 2025
  • Datum 25.–26.06.2025
KI in HR: Mit Mut, Daten und Haltung vom Hype zur UmsetzungVideo für Mitglieder · kostenlos

Das nimmst du mit

  1. Fang dort an, wo HR den größten Hebel sieht: 41 % nennen die Vorselektion von Bewerbenden. ▶ 9:06
  2. Gib nicht alles ab: Nutz KI dort, wo sie Zeit schafft, und behalt Human Touch und finale Entscheidung bei Menschen. ▶ 11:08
  3. Bau Vertrauen mit echten Daten auf: 41 % der Beschäftigten sind wegen fehlenden Vertrauens in Führung resistent gegen Veränderung. ▶ 12:37
  4. Gib Beschäftigten bei KI-Tools Transparenz und die Möglichkeit zum Opt-out, nicht nur zum Opt-in. ▶ 15:59
  5. Hinterfrag jedes Tool, auch wenn es Zeit spart: Prüf, wen ein KI-Screening aussortiert, bevor du dich über kürzere Time-to-Hire freust. ▶ 17:31

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Mut beginnt im Kleinen

Neher beginnt persönlich. Aufgewachsen in der DDR, durfte Neher trotz guter Noten keine weiterführende Schule besuchen, weil die Eltern politisch verfolgt waren. Die Wende wurde zum Wendepunkt. Ein eigenes Telefon gab es erst 94, 97 folgte der erste Computer vom selbst verdienten Geld und damit das Studium der Wirtschaftsinformatik in Chemnitz, fast ohne Vorkenntnisse.

Dieser kleine Mut ist für Neher der Maßstab für heute. Angst hilft in einer Arbeitswelt mit KI nicht weiter. HR muss Arbeit neu denken, klarer und radikaler werden und alte Normen hinterfragen, die viele Menschen ausgegrenzt haben. Dafür tragen HR-Verantwortliche nicht nur Verantwortung für sich selbst, sondern für die Menschen im Unternehmen. Sie müssen Rahmenbedingungen schaffen, in denen sich andere trauen, mutig zu sein, neue Dinge auszuprobieren und auch mal gegen Entscheidungen von oben zu rebellieren.

KI in HR: Zwischen LinkedIn-Hype und Realität

Auf LinkedIn klingt es, als sei Recruiting längst vollständig automatisiert. Ein Klatschtest im Saal zeigt etwas anderes: Niemand hat die eigenen Prozesse komplett mit KI automatisiert. Laut einer Befragung sehen 41 % den größten Hebel in der Vorselektion von Bewerbenden, 39 % in personalisierten Weiterbildungsempfehlungen und 38 % in einer besseren Candidate Experience. In der Theorie ist alles da, in der Praxis stockt es.

Warum? 42 % wollen Entscheidungen nicht an KI abgeben, 39 % finden, Jobinterviews sollten Menschen führen, 34 % wollen persönliche Kommunikation weiter von Menschen. Neher sieht hier ein Missverständnis: Es geht nicht darum, alles abzugeben. KI soll dort helfen, wo sie Zeit schafft, damit Recruiting sogar menschlicher werden kann. Dazu kommt die German Angst. Datenschutz und Compliance dürfen kein Totschlagargument sein. Neher fordert nicht, sie zu ignorieren, sondern genau zu prüfen.

„Angst aus meiner Sicht wird uns im Moment nicht helfen, sondern wir müssen den Mut haben, eine Arbeitswelt neu zu denken.“

Ute Neher · im Video ab 3:40

Vertrauen und Haltung als Basis für KI im HR

41 % der Arbeitnehmenden sagen, mangelndes Vertrauen in Führung habe sie resistent gegen Veränderung gemacht. Wer diese Menschen nicht mitnimmt, scheitert mit jedem Tool. Datengestütztes Arbeiten mit echten Daten schafft Vertrauen und sorgt bei 23 % für mehr Orientierung im Wandel. Trotzdem vertrauen nur drei von zehn Beschäftigten KI-generierten Informationen, auch weil Fake News und Halluzinationen das Vertrauen senken.

Deshalb braucht KI Haltung. Wer KI ohne Haltung einsetzt, verliert Vertrauen und verstärkt Ungerechtigkeit. Zentral ist Belonging: gehört, gesehen und eingebunden werden. Wenn Mensch und Maschine zusammenarbeiten sollen, brauchen Beschäftigte ethische Leitplanken, Transparenz und neben dem Opt-in auch ein Opt-out.

Datenbasiert statt Bauchgefühl

KI-Screening kann die Zeit bis zur Einstellung um 30 % verkürzen. Die Frage ist, ob die KI so trainiert wurde, dass sie nicht einfach Menschen aussortiert, die alten Mustern nicht entsprechen. Ein guter Pitch und ein gutes Bauchgefühl reichen nicht. Mut heißt für Neher, ein Tool zu hinterfragen, auch wenn es viel Zeit spart, und die Daten menschlich auszuwerten.

Richtig eingesetzt hilft KI dort, wo HR früher an Datenmengen scheiterte: bei interner Mobilität, Reskilling und dem Erkennen von Skills. People Analytics dienen als Frühwarnsystem für Fluktuation und zeigen, wann Menschen überlastet sind. Entscheidend ist die Frage, ob du aus einem Efficiency Case handelst oder Menschen weiterentwickeln willst. Neher macht es persönlich: Viele Auswahlsysteme der Vergangenheit hätten Neher aussortiert. Die Karriere kam, weil Menschen daran geglaubt haben, nicht eine Maschine.

Drei Aufrufe für mutiges HR

Erstens Skills First, nicht nur beim Hiring: Hör auf, Menschen in alte Jobarchitekturen und Hierarchien zu stecken, und schau auf ihre Fähigkeiten. Zweitens Belonging: Menschen sollen automatisch eingeladen und mitgedacht werden, nicht irgendwann bedacht. Drittens Erfolge sichtbar machen und feiern, auch Misserfolge, indem du offen darüber sprichst. Dazu gehört, Beschäftigte ab 50 nicht einfach auszusortieren, sondern mit ihnen den nächsten Schritt zu gehen. Dein erster Schritt: Überleg dir morgen, wo du in deinem Bereich mutig hinterfragen kannst.

Häufige Fragen

Wo bringt KI in HR den größten Nutzen?

In der Befragung, die Neher zeigt, sehen 41 % den größten Hebel in der Vorselektion von Bewerbenden, 39 % in personalisierten Weiterbildungsempfehlungen und 38 % in der Candidate Experience. In der Praxis ist davon noch wenig umgesetzt.

Warum zögern Unternehmen beim Einsatz von KI im Recruiting?

42 % wollen Entscheidungen nicht an KI abgeben, 39 % finden, Jobinterviews sollten Menschen führen. Dazu kommen Datenschutzbedenken und wenig Vertrauen: Nur drei von zehn Beschäftigten vertrauen KI-generierten Informationen.

Wie schafft man Vertrauen in KI bei Mitarbeitenden?

Mit echten Daten, Transparenz und ethischen Leitlinien. Neher rät außerdem, neben dem Opt-in auch ein Opt-out anzubieten und Beschäftigte aktiv einzubinden.

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