Das nimmst du mit
- Frag in deiner Behörde regelmäßig, welchen Impact eure heutige Arbeit in 10, 20 oder 30 Jahren hat. So prüfst du, ob sie Sinn ergibt. ▶ 15:27
- Arbeite wie im Krisenstab: Nimm direkt Kontakt auf, bau schnell Vertrauen auf und stell Zuständigkeits- und Hierarchiefragen hinten an. ▶ 6:42
- Entwickle mit deinem Team ein positives Zukunftsbild. Eine Übung wie „Deutschland 2040“ öffnet neue Denkräume, auch im eigenen Referat. ▶ 13:11
- Gib deinen Mitarbeitenden Raum, sich proaktiv einzubringen. Wer sich wirksam fühlt, ist zufriedener. ▶ 16:03
- Vertritt selbstbewusst, was die Verwaltung leistet, und widersprich, wenn pauschal über „die da oben“ geredet wird. ▶ 17:22
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Kostenlos beitretenVertrauen in den Staat: Was die Zahlen zeigen
Behrendt leitet im Bundeskanzleramt die Abteilung Digitales und Staatsmodernisierung und ist dort auch für klassische Sicherheitsthemen zuständig. Statt der vorbereiteten Rede äußert Behrendt spontan ein paar Gedanken. Der Ausgangspunkt sind Umfragen: Im Deutschlandmonitor liegt die Zustimmung zur Demokratie als solcher bei 98 bis 99 Prozent. Wie der Staat und die Demokratie konkret funktionieren, bewerten dagegen nur noch 60 Prozent positiv.
Noch deutlicher wird es beim Kontakt mit Behörden. In einer aktuellen Studie zum E-Government haben nur noch 34 Prozent der Bürgerinnen und Bürger volles Vertrauen, bei der Umfrage davor waren es 37 Prozent. Für Behrendt sind das Zahlen, die zum Nachdenken zwingen: Wie arbeiten wir eigentlich, und welches Bild vom Staat wollen wir vermitteln?
Staatsmodernisierung heißt: anders zusammenarbeiten
Die Verwaltung arbeitet laut Behrendt im Kern noch so wie vor 200 Jahren: Ministerien, darin Abteilungen, darin Referate, jede Einheit in ihrem Bereich. Die Welt drumherum verändert sich dagegen in hohem Tempo, geopolitisch und technisch. Bei KI spricht Behrendt von Innovationszyklen von zwei Wochen. So, wie die Verwaltung aufgestellt ist, kann sie darauf nicht angemessen reagieren.
Den Vergleich mit Ländern, in denen schneller gebaut wird, lässt Behrendt nicht stehen. Dort fehlen oft Beteiligungsprozesse. Die Aufgabe ist eine andere: die eigene Form des Arbeitens so verändern, dass der Staat innerhalb einer Demokratie schneller, flexibler und kooperativer wird.
Das Vorbild dafür kommt aus der Krise. Behrendt hat im Innenministerium mehrere Krisenstäbe geleitet. Dort bleibt keine Zeit für Fragen nach Zuständigkeit oder Mitzeichnung. Du nimmst direkt Kontakt auf, baust schnell Vertrauen auf allen Ebenen auf und suchst gemeinsam pragmatische Lösungen. Krisen gibt es in jedem Verwaltungshandeln. Das sollte Mut machen, diese Art der Zusammenarbeit auch im Alltag zu leben.
„Ich glaube, das macht uns dann auch attraktiv als Arbeitgeber. Denn nur dann erkennen die Leute, was für eine Bedeutung wir eigentlich haben und was wir auch verändern können.“
Wo Bürgerinnen und Bürger den Staat erleben
Ins Kanzleramt kommen vor allem Vorstände großer Unternehmen und Interessenvertretungen. Den Staat erleben die meisten Menschen vor Ort in den Kommunen oder in Ausnahmesituationen wie dem Blackout in Berlin, wenn es dauert, bis alle Behörden zusammen handeln. Deshalb ist Staatsmodernisierung für Behrendt kein Thema für Feinschmecker, sondern eine existenzielle Frage: ob wir in 20, 30, 40 Jahren noch in einer Demokratie leben.
Dazu gehört auch Respekt für alle, die für den Staat arbeiten. Das Vertrauen in die Polizei liegt laut den Studien mit 55 Prozent erstaunlich hoch. Über den Respekt für Beamtinnen und Beamte insgesamt muss aus Sicht von Behrendt offener gesprochen werden.
Die Verwaltung der Zukunft braucht ein Zukunftsbild
Zuversicht ist der zweite große Punkt. Ein positives Bild der Zukunft darf die Verwaltung nicht anderen überlassen, sie muss es selbst skizzieren: Wie wollen wir in 10, 20 Jahren als Staat arbeiten und zusammenarbeiten?
Das Kanzleramt hat das ausprobiert. Mit Florence Gaub vom NATO Defense College haben alle Abteilungen und die Ressorts gemeinsam gefragt: „Deutschland 2040, Zukunft jetzt, wie wollen wir eigentlich leben?“ In Bereichen wie Wirtschaft, Soziales sowie Deutschland in der Welt und Europa entstand ein positives Bild, das am Ende mit KI in konkrete Bilder übersetzt wurde. Menschen, die sich sonst nur aus Ressortbesprechungen kannten, entwickelten dabei viel Energie. Behrendt empfiehlt jeder Behörde und jedem Referat eine ähnliche Übung.
Wirkung zeigen macht den öffentlichen Dienst attraktiv
Forecasting gehört für Behrendt nicht nur in Leitungsstäbe, sondern in die tägliche Arbeit jeder Behörde. Die Frage lautet: Welchen Impact hat das, was wir jetzt tun, in 10, 20, 30 Jahren? Wer das beantwortet, kann beurteilen, ob die Arbeit Sinn ergibt. Und genau das macht den öffentlichen Dienst attraktiv als Arbeitgeber, weil Menschen sehen, was sie verändern. Zufrieden ist, wer sich wirksam fühlt. Führungskräfte müssen ihren Teams deshalb Raum geben, sich proaktiv einzubringen.
Behrendt schließt mit einem Appell an Selbstbewusstsein: Widersprich, wenn pauschal geschimpft wird, auch wenn die Diskussion anstrengend ist. Und trau dir die eigene Veränderung zu, denn das Wissen steckt im System. Ein guter erster Schritt für dein Haus: eine Zukunftsübung im eigenen Referat und die Wirkungsfrage als feste Frage in der Planung.
Häufige Fragen
Wie wird der öffentliche Dienst als Arbeitgeber attraktiver?
Laut Britta Behrendt, indem Behörden zeigen, welche Wirkung ihre Arbeit in 10 bis 30 Jahren hat. Wer sieht, was die eigene Arbeit verändert, ist zufriedener.
Was bedeutet Staatsmodernisierung für die Zusammenarbeit in Behörden?
Behrendt meint vor allem schnellere, direktere Zusammenarbeit über Zuständigkeiten hinweg, wie sie in Krisenstäben üblich ist. Technik allein reicht dafür nicht.
Speaker
Britta Behrendt
Bundeskanzleramt




