Das nimmst du mit
- Hol Jugendliche vor der Bewerbung ab: Anschreiben, Lebenslauf und Karriereseiten haben mit ihrer Lebensrealität wenig zu tun. ▶ 1:45
- Rechne nicht mit aktiver Suche. Die Gen Z klickt sich durch Videos und lässt sich finden. ▶ 7:56
- Sei da, wenn junge Menschen nach Antworten suchen. Dann wirkt deine Botschaft als Orientierung statt als Werbung. ▶ 10:43
- Deck die ganze Candidate Journey ab: Employer Branding, Berufsbranding und Stellenanzeigen bauen aufeinander auf. ▶ 15:45
- Plan in Kontaktpunkten: Vertrauen entsteht über Zeit, Kontext und Wiedererkennung, nicht mit einem Klick. ▶ 18:53
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Kostenlos beitretenWarum die Gen Z beim Wort Bewerbung abtaucht
Pfanz arbeitet bei Studyflix täglich mit Ausbildungsleitungen, HR- und Recruiting-Teams und hört immer wieder dieselbe Frage: Wo sind eigentlich die Azubis hin? Jugendliche sind auf Instagram, TikTok und YouTube ständig präsent, teilen, kommentieren, liken. Sobald es um eine Bewerbung geht, sind sie weg, als hätte jemand den Stecker gezogen. Anschreiben, Lebenslauf und Karriereseiten wirken auf viele wie aus einer anderen Welt: angestaubt und kompliziert.
Faul ist diese Generation laut Pfanz nicht. Sie hat die Pandemie im Klassenzimmer verbracht, wurde bei der Berufswahl oft allein gelassen und wächst in einem Bildungssystem mit Lehrkräftemangel, Stundenausfall und überholten Lehrplänen auf. Was fehlt, ist ein solides Fundament. Wer junge Menschen ernst nimmt, trifft auf Neugier, Lernbereitschaft und Engagement.
Azubi-Recruiting für die Gen Z: sichtbar sein, bevor jemand sucht
Auf der anderen Seite stehen Unternehmen mit guten Ausbildungen und echten Perspektiven: Banken, Maschinenbauer, Pflegeeinrichtungen, Hidden Champions im Mittelstand. Nur kennt sie niemand. Jugendliche denken bei Bank an angestaubt, bei Pflege an Stress und bei Industrie an gar nichts. Oft scheitert es laut Pfanz nicht am Angebot, sondern am Auftritt.
Die Gen Z geht nicht mehr auf Ausbildungsmessen und durchstöbert keine Karriereseiten. Sie klickt sich durch Videos, will Erklärungen statt Floskeln und lässt sich finden. Antworten im Stil von „Sehr geehrte Damen und Herren, alle weiteren Infos auf unserer Karriereseite“ wirken wie ein erstes Date mit schlechter Kommunikation. Mehr Plakate und Flyer am Bahnhof lösen das nicht.
Der Ansatz setzt deshalb früher an, beim Lernen und Orientieren. Bevor sich jemand bewirbt, muss klar sein, was die Person kann und will. Wer genau dann auftaucht, wenn eine Schülerin abends gestresst eine Gedichtanalyse googelt, stört nicht, sondern hilft.
„Und das Wichtigste und wahrscheinlich für alle hier anwesenden Schwierigste ist, die suchen nicht mehr aktiv, die lassen sich finden.“
Was hinter dem digitalen Klassenzimmer steckt
Studyflix beschreibt sich als größte Lern- und Karriereplattform für die Gen Z im deutschsprachigen Raum, mit mehr als 6 Millionen Nutzenden im Monat. Die Plattform hat über 6000 Erklärvideos zu Fächern wie Mathe, BWL oder Maschinenbau und stellt Ausbildungsberufe vor. Die Inhalte sind suchmaschinenoptimiert und erreichen nach eigenen Angaben in über 600.000 Themenbereichen ein Top-10-Ranking bei Google. Dazu kommen eine App und 1,2 Millionen Follower auf Social Media.
Praxisbeispiel: Eine VR-Bank will 20 Ausbildungsstellen besetzen
Die Vereinigte VR-Bank kam mit einem typischen Problem: angestaubtes Image, zu wenige Bewerbungen und das Gefühl, dass die Guten woanders hingehen. Das Ziel: 20 Ausbildungsstellen pro Jahr zuverlässig mit passenden Leuten besetzen, bei einem Budget unter 10.000 €. Die Kampagne deckte die Candidate Journey in drei aufeinander aufbauenden Bausteinen ab.
Erstens Employer Branding: Die Bank platzierte Videos in fachlich passenden Lerninhalten, etwa im Video zur Standardabweichung, und spielte sie lokal aus. Ergebnis: 55 000 Videoaufrufe und eine kumulierte Klickrate von 4,5 %. Zweitens Berufsbranding: Die Bank präsentierte sich im Erklärvideo zu Bankkaufleuten, regional ausgespielt im Umkreis von 50 km. Die Klickrate lag hier bei 5,2 %, und zwar bei Jugendlichen mit konkretem Interesse an einer Banklehre.
Drittens Stellenanzeigen: 20 Anzeigen auf der Ausbildungsbörse erzielten eine Klickrate von 4,9 %. Am Ende standen 189 Bewerbungen auf 20 ausgeschriebene Stellen.
So übertragen Ausbildungsbetriebe das auf ihr Recruiting
Die drei Bausteine funktionieren auch einzeln, am stärksten wirken sie zusammen. Pfanz vergleicht das mit Dating: Niemand plant beim ersten Blickkontakt den gemeinsamen Urlaub. Man lernt sich kennen, sieht sich wieder, und irgendwann wird es ernst. Vertrauen entsteht über Zeit, Kontext und Wiedererkennung.
Für dich heißt das: Prüf, wo deine Zielgruppe lernt und nach Antworten sucht. Erklär deine Ausbildungsberufe verständlich, statt nur Stellen auszuschreiben. Und begleite junge Menschen vom ersten Kontakt bis zur Stellenanzeige. Die Gen Z ist bereit, sagt Pfanz. Die Frage ist, ob dein Unternehmen es auch ist.
Häufige Fragen
Wie erreiche ich Schüler:innen für eine Ausbildung?
Dort, wo sie lernen und nach Antworten suchen, etwa in Lern- und Erklärvideos. Laut Franziska Pfanz lässt sich die Gen Z finden, statt aktiv Karriereseiten zu durchsuchen.
Was bringt Berufsbranding im Azubi-Recruiting?
Viele Jugendliche wissen nicht, was ein Beruf im Alltag bedeutet. Im Beispiel der VR-Bank erreichte das Erklärvideo zu Bankkaufleuten eine Klickrate von 5,2 % bei Jugendlichen mit Interesse an einer Banklehre.
Speaker
Franziska Pfanz
Studyflix




