Das nimmst du mit
- Lass Azubis gefahrlos üben: Im Simulation Lab trainieren sie an Bohrwagen- und Lader-Simulatoren, bevor sie an echte Großgeräte gehen. ▶ 7:32
- Fehler im Simulator kosten nichts. Ein Testlauf im VR-Lader verursachte virtuell 250.000 € Sachschaden. ▶ 8:36
- Stärk Eigenverantwortung: Wer zeit- und ortsunabhängig lernt, muss den eigenen Lernprozess strukturieren und reflektieren. ▶ 19:30
- Qualifizier dein Ausbildungspersonal zusätzlich zum AdA-Schein zu Lernprozessbegleiter:innen. ▶ 20:13
- Gib digitale Lernmittel ab dem ersten Ausbildungstag aus. Der Jahrgang 2024 nahm Tablet und Lernplattform deutlich offener an als der Jahrgang 2023. ▶ 21:55
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Kostenlos beitretenBergbau und Digitalisierung: kein Widerspruch
K+S steht für über 125 Jahre Firmengeschichte und für Bergbau, den viele für eine sterbende Branche halten. Gromeyer widerspricht: In Deutschland betreiben 14 Unternehmen aktiven Bergbau. Gromeyer ist seit über 15 Jahren bei K+S, kennt die Ausbildung von der Basis und koordiniert heute die gesamte Konzernausbildung in Deutschland. Große verantwortet die digitale Transformation der Ausbildung und kommt aus der Medienpädagogik.
Große zitiert den Satz, Tradition sei die Weitergabe des Feuers und nicht das Bewahren der Asche. Die Anforderungen an Effizienz, Sicherheit und Nachhaltigkeit sind so gestiegen, dass an der Digitalisierung kein Weg vorbeiführt. Unter Tage ist sie längst Alltag: vorausschauende Instandhaltung mit Sensoren, 3D-Scanning von Bauteilen, mobiler Zugriff auf Ersatzteilkatalog und SAP-Daten, Tests mit autonomem Fahren und Drohnen zur Freigabe von Strecken nach der Sprengung. Wer solche Technik nutzt, braucht Fachkräfte mit digitalen Schlüsselkompetenzen.
Simulatoren: gefahrlos üben, was unter Tage zählt
Im Simulation Lab lernen Azubis an Großgeräten, bevor sie an echte Maschinen gehen. Am Bohrwagensimulator bohren sie Sprenglöcher, im VR-Ladersimulator lernen sie, Großgeräte zu fahren. Das ist realitätsnah, erlaubt Fehler und macht sicherheitsrelevante Szenarien wiederholt trainierbar. Große hat es selbst ausprobiert, auf 100 Prozent Realismus: 250.000 € virtueller Sachschaden und ein ordentlich angeschlagener Kopf.
Auch in der Chemieausbildung über Tage hilft Simulation, etwa beim Verschrauben von Leitungen, an die man im Betrieb nur schwer herankommt oder die heiße oder kalte Stoffe führen. Unter Tage richtet K+S zudem Schulungsräume im Fels ein, in denen die Lernplattform genutzt wird. Die naheliegende Hürde ist die WLAN-Abdeckung, dazu kommt die Ausstattung mit mobilen Endgeräten.
„Hat gleich von Anfang an das an die Hand bekommen und da haben wir eine ganz andere Resonanz …“
Digitale Ausbildung mit Tablet und Lernplattform
K+S bildet in 18 verschiedenen Ausbildungsberufen und dualen Studiengängen aus, viele davon gewerblich-technisch. Die Lernplattform soll allen Zugang geben und individualisiertes Lernen stärken. Azubis können heute mit dem Tablet direkt am Bohrwagen auf Lerninhalte zugreifen, eigene Inhalte pflegt K+S selbst ein. Ausgewählt wurde das System nach Testpiloten mit mehreren Anbietern über und unter Tage, mit dem größten Ausbildungswerk an der Werra als Pilotregion.
Den Anlass beschreibt Große so: Azubis sind heute so unterschiedlich in Lernständen und Voraussetzungen, dass Frontalunterricht allein nicht mehr reicht. In der Corona-Zeit half sich K+S mit Teams, ein großer Wurf war das nicht. Überzeugt haben am Ende die Handlungsorientierung der Inhalte, die Sprache der Lernenden und Gamification-Elemente. Ob die Prüfungsergebnisse besser werden, lässt sich noch nicht sagen. Die Motivation, sich eigenständig mit Lerneinheiten zu beschäftigen, ist aber erheblich gestiegen.
Warum der Start am ersten Ausbildungstag zählt
Ausgerollt wurden Tablets und Lernmanagementsystem für die Jahrgänge 2023 und 2024. Der Jahrgang 2023 bekam alles ein Jahr versetzt, dort war die Akzeptanz gering. WhatsApp und Instagram nutzen Digital Natives selbstverständlich, sich tiefer in ein Lernsystem einzuarbeiten, ist vielen schnell zu aufwendig. Der Jahrgang 2024 hatte die Tools ab dem ersten Tag und ist deutlich offener. Auch den Ausbildenden fällt die Integration so leichter. Begeisterte und Skeptische gibt es trotzdem in allen Altersgruppen.
Mit der Technik ändert sich die Rolle des Ausbildungspersonals. Wer zeit- und ortsunabhängig lernt, muss den eigenen Lernprozess strukturieren, den Lernerfolg prüfen und das Lernziel kritisch reflektieren. Ausbildende werden zu Begleitenden. K+S qualifiziert deshalb das gesamte Ausbildungspersonal zusätzlich zum AdA-Schein zu Lernprozessbegleiter:innen. Ziel bleibt die berufliche Handlungsfähigkeit nach Berufsbildungsgesetz.
Was du für deine Ausbildung mitnehmen kannst
Gromeyer wünscht sich, dass digitale Tools so selbstverständlich werden wie früher das Lehrbuch. K+S hat dazu mit externer Unterstützung acht Szenarien für die Bergbauausbildung 2030 und 2035 entwickelt, positive wie negative. Eines handelt vom Verlorengehen in der Tradition, ein anderes heißt „Die Architekten der Transformation“. Als Nächstes will Gromeyer Vorstand, Ausbildende und Azubis an einen Tisch holen und ein gemeinsames Zielbild festlegen.
Große betont, dass dieser Weg keine Generallösung ist. Übertragbar ist der Ansatz trotzdem: Gib Tools ab Tag eins aus, lass sicherheitskritische Abläufe zuerst im Simulator üben und bereite dein Ausbildungspersonal auf die neue Rolle als Lernbegleitung vor.
Häufige Fragen
Wie gelingt digitales Lernen in der gewerblich-technischen Ausbildung?
K+S kombiniert Tablets und Lernplattform mit Simulatoren für Großgeräte und Schulungsräumen direkt im Betrieb. Entscheidend ist, die Tools ab dem ersten Ausbildungstag einzusetzen und das Ausbildungspersonal mitzunehmen.
Was bringen Simulatoren in der Ausbildung?
Azubis üben sicherheitskritische Situationen realitätsnah und ohne Gefahr. Fehler kosten im Simulator nichts: Ein Testlauf im VR-Lader verursachte virtuell 250.000 € Sachschaden.
Speaker:innen
Sven Gromeyer
K+S
Kai Lukas Große
K+S




