Das nimmst du mit
- Investier in Zugehörigkeit: Wer sich im eigenen Team wohlfühlt, hat laut Studie eine um fast 50 Prozent geringere Kündigungsabsicht. ▶ 6:10
- Nimm Erschöpfung bei Jüngeren ernst: Fast ein Drittel der 18- bis 29-Jährigen gibt an, emotional erschöpft zu sein. ▶ 10:36
- Führ virtuell bewusst: Plan Formate für Kommunikation, Coaching und Feedback und stimm das Maß auf jede Person ab. ▶ 17:47
- Vereinbart Digitalisierungsspielregeln im Team, etwa zu Erreichbarkeit und bewussten Blockern für Sport oder Familie. ▶ 20:28
- Leb Ergebniskultur statt Kontrolle: Entscheidend ist, was am Ende der Woche geschafft ist, nicht was jemand um 15:30 Uhr gemacht hat. ▶ 27:09
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Kostenlos beitretenSocial Health: Was die Studie zu hybridem Arbeiten misst
In der betrieblichen Gesundheit geht es meist um körperliche und psychische Gesundheit. Die BARMER und die Universität St. Gallen haben bewusst die soziale Gesundheit untersucht: Zugehörigkeit, Wohlbefinden im Team und die Folgen flexibler Arbeitsorte und Arbeitszeiten. Die Studie SocialHealth@Work startete 2020 in der Pandemie. Über 8000 Beschäftigte wurden in acht Wellen jedes halbe Jahr befragt, laut Mustapha Sayed eine in Deutschland einmalige Datenbasis.
Das Thema Digitalisierung hat das Studienteam in sechs Dimensionen unterteilt, darunter technische Anforderungen und Kommunikationsrauschen, also die Flut an Informationen über E-Mail, Intranet oder sogar WhatsApp. Im Vortrag stehen flexible Arbeitsorte und Arbeitszeiten im Mittelpunkt.
Teamzugehörigkeit als Schutzfaktor für Gesundheit im hybriden Arbeiten
Das erste Ergebnis hält Sayed für das wichtigste. Wer eine hohe Inklusionswahrnehmung hat, sich also im eigenen Team wohlfühlt, hat im Durchschnitt eine um fast 50 Prozent geringere Kündigungsabsicht, unabhängig von Branche oder Bereich. Dieselben Menschen schätzen ihre Arbeitsfähigkeit höher ein und berichten seltener von emotionaler Erschöpfung. Gemessen wurde die subjektive Wahrnehmung, nicht mit medizinischen Tests.
Sayed erlebt in der Beratung, dass Unternehmen viel über Recruiting sprechen. Die Frage, was sie für Bindung tun, kommt oft zu kurz. Das eine schließt das andere nicht aus, aber Führung und Unternehmenskultur entscheiden darüber, ob Menschen bleiben.
„Ich habe keine Garantie, nur weil ich analog eine gute Führungskraft bin, dass ich das auch virtuell bin …“
Erschöpfung und Entgrenzung: Was die Zahlen zeigen
Jede vierte Person fühlt sich bei der Arbeit oft emotional erschöpft. Knapp 50 Prozent können die Arbeit in der Freizeit nicht vergessen. Und knapp 60 Prozent halten sich für eine der besten Kräfte im eigenen Team, was Sayed mit einem Augenzwinkern kommentiert.
Überrascht hat Sayed auf den ersten Blick: Emotionale Erschöpfung und digitale Überlastung kommen bei Jüngeren häufiger vor als bei Älteren. Fast ein Drittel der 18- bis 29-Jährigen fühlt sich emotional erschöpft. Die Ursachen zeigen die Daten nicht. Eine Rolle spielt laut einer OECD-Studie die Mediennutzung: Jugendliche unter 18 Jahren verbringen im Schnitt bis zu 48 Stunden pro Woche mit Medien. Dass Jüngere digital automatisch fitter sind, ist laut Sayed nicht wissenschaftlich belegt. Entscheidend ist die Haltung zu Veränderung.
Bei der Entgrenzung berichten 22 Prozent von Konflikten zwischen Arbeits- und Privatleben, 38 Prozent ziehen aktiv Grenzen und 43 Prozent nutzen in der Freizeit Kommunikationsmittel für die Arbeit. Mehr als 50 Prozent sagen, dass sie in der Freizeit gut von der Arbeit abschalten können. Sayed beobachtet zudem, dass Ein- und Durchschlafstörungen zunehmen und Unternehmen häufiger nach Workshops zum Thema Schlaf fragen.
Virtuell führen ist eine eigene Aufgabe
Je höher der Anteil virtueller Kommunikation unter Kolleginnen und Kollegen, desto schwächer werden die Beziehungen. Auch zur Führungskraft nimmt die Beziehung mit der Zeit ab. Räumliche Distanz kann Unsicherheit, Isolation und Einsamkeit begünstigen, besonders bei Menschen, die neu im Unternehmen sind.
Wer analog gut führt, führt nicht automatisch virtuell gut. Sayed rät, Formate bewusst zu planen und ein passendes Maß an Kommunikation, Coaching und Feedback zu finden. Manche brauchen täglich Kontakt, andere fühlen sich davon kontrolliert. Gleichzeitig ist jedes Teammitglied gefordert, zur Kultur beizutragen. Und Führung braucht selbst Fürsorge: Burnout tritt bei Führungskräften deutlich häufiger auf als bei Menschen ohne Führungsrolle.
So stärkst du Social Health im Team
Sayed empfiehlt Digitalisierungsspielregeln, also ein gemeinsames Verständnis, wie ein Team mit Erreichbarkeit umgeht, notfalls pro Team. Ein Beschäftigter trug im Homeoffice das Handy überall mit sich, aus Angst, einen Anruf vom Chef zu verpassen. Bewusste Blocker für Sport oder Kinder helfen, ebenso Rituale wie das Umziehen nach Feierabend.
Kritisch sieht Sayed den Zwang zurück ins Büro. Ein Unternehmen erlaubt zwei Tage Homeoffice im Monat, Montag und Freitag ausgeschlossen. Für Pendelnde bringt das nichts. Für den Alltag nennt Sayed Authentizität, ein gutes Onboarding, klare Kommunikation, Ergebniskultur und Führungskräfte, die Vorbild sind. Starte mit der Frage, wie dein Team Erreichbarkeit regelt.
Häufige Fragen
Wie wirkt sich hybrides Arbeiten auf die Gesundheit aus?
Es bringt Autonomie, kann aber Entgrenzung, digitale Überlastung und Einsamkeit fördern. Mit mehr virtueller Kommunikation werden Beziehungen im Team laut Studie schwächer.
Was senkt die Kündigungsabsicht von Mitarbeitenden?
Laut SocialHealth@Work vor allem Zugehörigkeit: Wer sich im eigenen Team wohlfühlt, hat eine um fast 50 Prozent geringere Kündigungsabsicht.
Speaker
Prof. Dr. Mustapha Sayed




