Das nimmst du mit
- Starte mit einem Testballon: Ein Projekt über 3 Monate senkt die Hürde für skeptische Entscheider deutlich. ▶ 11:40
- Bau zuerst die Anbindung an dein ATS, dann den Outreach. Sonst stimmen Tracking, Tags und Zuständigkeiten nicht. ▶ 16:42
- Miss, wie viel Zeit jeder Schritt pro Woche kostet, und automatisiere zuerst die Quick Wins. ▶ 21:39
- Prüf, wie viele deiner Zielpersonen gar nicht auf LinkedIn sind. Bei Netlight sind es 20 Prozent. ▶ 25:00
- Nimm das Video selbst auf und lass die KI nur Details wie den Vornamen personalisieren. Die sichtbare Mühe bringt die Antworten. ▶ 28:44
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Kostenlos beitretenWarum Netlight ohne Active Sourcing nicht wächst
Netlight Consulting ist eine schwedische Tech-Consultancy mit 350 Kunden und in Deutschland fünf Offices mit ungefähr 750 Leuten. Gesucht werden Softwareentwickler, die auch stark kommunizieren. Diese Zielgruppe bewirbt sich nicht von selbst. 90 bis 95 Prozent der Einstellungen laufen deshalb über Active Sourcing, Talent Search ist eine Kernfunktion.
Netlight fragt sich seit zwei Jahren, wo KI im Recruiting hilft. Feedback nach Interviews schreibt ein eigenes Sprachmodell per Voice Assistant, statt 20 Minuten dauert das jetzt 5 Minuten. Das Interview Matching hat das Team selbst gebaut. Der größte Zeitfresser blieb das Sourcing: Recruiter verbrachten wahrscheinlich zwei von 5 Tagen auf LinkedIn, und ein Team von 40 Leuten sah immer wieder dieselben Profile.
So arbeitet ein KI-Agent im Active Sourcing
Aliosha Milsztein, CEO des Münchner Start-ups aurio, erklärt den Ablauf. Aus der Stellenausschreibung entsteht ein Suchprofil, das du freigibst oder anpasst. Im Hintergrund laufen die Suchen, jedes Talent wird bewertet, am Ende steht eine Shortlist. Nimmst du ein Profil an, geht eine personalisierte Nachricht raus, auf Wunsch mit Video.
Das Video nimmt ein Mensch einmal pro Stelle auf, die KI personalisiert es für jede Person neu. Rückmeldungen und Follow-ups laufen automatisch. Bucht jemand einen Termin, legt das System die Person im ATS an, bei Netlight ist das Lever, und prüft auf Dubletten. Netlights Anforderungen waren klar: schnell spürbare Entlastung, nahtlose ATS-Integration und eine Response Rate, die mindestens gleich bleibt.
„Das, was das Powervolle ist, ist ja, dass sich jemand 30 Sekunden die Zeit nimmt, sich hinzustellen, das aufzunehmen, jemand zu schicken.“
Skepsis überwinden: drei Monate Testballon
Widerstand gab es, auch auf Senior-Ebene. Ist ein KI-Video nicht cringe? Merken die Leute das? Hochholzner vergleicht die Schwellenangst mit dem Sprung vom Zehnmeterturm. Die Lösung war ein Experiment statt einer Komplettumstellung: ein Projekt als Testballon für 3 Monate, mit A/B-Test zwischen Ansprache mit und ohne Video. Das Video schnitt bei der Interaktionsrate besser ab.
Die Kandidaten merken laut Hochholzner nicht, dass KI im Spiel ist. Im Video spricht ein echter Mensch rund 30 Sekunden, nur der Vorname wird automatisch eingesetzt. Auch die schriftliche Ansprache passt die KI komplett ans Profil an, nicht nur Vorname und Uni wie im alten Template.
Erst die Infrastruktur, dann der Outreach
Das wichtigste Learning: Bau zuerst eine saubere Verbindung zwischen externem Tool und eigenem ATS. Sonst ist das Tracking unzuverlässig, Talente werden falsch getaggt, Owner und Notizen fehlen. Bei Netlight stand die Infrastruktur nach vier Wochen. Geholfen hat, dass aurio als kleines Start-up die Schnittstelle innerhalb von ein, zwei Tagen anpassen konnte.
Heute drückt Hochholzner auf Accept oder Reject. Bei Accept wird das Profil im ATS angelegt, getaggt und zugeordnet, Kontaktanfrage und Follow-ups starten automatisch. Am Ende landen nur noch Termine im Kalender. Antworten wertet die KI aus: Interessiert, nicht interessiert, später interessiert oder eine Rückfrage? Nur wenn sie sich sicher ist, antwortet sie selbst. Sonst bekommst du eine Push-Nachricht mit Vorschlag zur Freigabe.
KI-Agent im Active Sourcing einführen: Wo du startest
Hochholzner rät, zuerst die eigene Talentlandschaft anzuschauen. In Toronto kamen auf eine Ausschreibung 2000 Bewerbungen in 24 Stunden, dort braucht es Hilfe beim Screening. In Europa dominiert für Netlight das Active Sourcing. Miss dann, wie viel Zeit jeder Schritt in einer typischen Woche kostet, entscheide, wo du deinen menschlichen Touch behalten willst, und starte mit den Quick Wins. Sprich früh im Team darüber, denn Skepsis gehört zu jedem Change-Prozess.
Der Gewinn bei Netlight: In den rund 20 Prozent der Zeit, die für Sourcing und Interviews bleiben, führt Hochholzner gezielt Gespräche mit Profilen, die passen. Der ungeliebteste Teil des Jobs fällt weg, gerade für Junior Recruiter. Eine LinkedIn-Recruiter-Lizenz ist zum Start nicht zwingend nötig. Und weil 20 Prozent der Zielgruppe nicht auf LinkedIn sind, setzt Netlight zusätzlich auf Hochschulen, Events und Social Media.
Häufige Fragen
Merken Kandidaten, wenn die Ansprache per KI personalisiert ist?
Laut Netlight nicht. Das Video nimmt ein Mensch auf, die KI setzt nur Details wie den Vornamen ein. Im A/B-Test erzielte die Ansprache mit Video die bessere Interaktionsrate.
Braucht man für KI-gestütztes Active Sourcing eine LinkedIn-Recruiter-Lizenz?
Zum Start nicht zwingend. Ab einer gewissen Zahl an Stellen und wenn du sehen willst, wer schon angesprochen wurde, wird sie laut aurio sinnvoll.
Speaker:innen
Aliosha Milsztein
Moritz Hochholzner




