Das nimmst du mit
- Nutz die kostenlosen Indeed-Daten: Datenportal, Wage Tracker, Remote Tracker und AI Tracker lassen sich herunterladen und mit eigenen Daten verbinden. ▶ 2:55
- Für den Wegfall von Einstiegsjobs durch KI gibt es bisher wenig Evidenz. Die Datenlage ist dünn. ▶ 5:51
- Investier weiter in Berufseinsteigende: Ohne Einstieg wachsen dir keine Top-Fachkräfte mit internem Wissen nach. ▶ 6:55
- Lies weniger Stellenanzeigen nicht als weniger Jobs. Bei Software-Stellen wirken Corona-Boom, Marktkorrektur, Unsicherheit und KI zusammen. ▶ 13:17
- Behandle Prompting als Grundkompetenz: Eigene Prompt-Engineer-Stellen gab es kaum, gebraucht wird das Können in jedem Beruf mit generativer KI. ▶ 18:59
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Kostenlos beitretenWas das Indeed Hiring Lab misst
Sondergeld arbeitet als Economist im Indeed Hiring Lab, dem volkswirtschaftlichen Zweig von Indeed, und ist für den DACH-Markt zuständig. Das Team nutzt die großen Datenmengen der Plattform, um Arbeitsmärkte zu messen, ähnlich wie das Statistische Bundesamt, das IAB oder die Bundesagentur für Arbeit. Verhoeven ergänzt die Mikroperspektive: Wie optimieren Unternehmen ihre Recruiting- und Employer-Branding-Daten, und wie bauen sie eine Datenstrategie auf?
Viele Daten stellt das Hiring Lab kostenlos bereit. Im Datenportal findest du Jobpostings nach Märkten und Berufsgruppen. Der Wage Tracker verfolgt Löhne aus Stellenanzeigen, der Remote Tracker Postings und Suchanfragen zu Remote und Hybrid Work, der AI Tracker Stellen mit KI-Bezug. Du kannst alles im Dashboard ansehen oder herunterladen und mit eigenen Daten verbinden.
KI und Berufseinsteiger: Fällt die unterste Sprosse weg?
Die Frage, ob KI Einstiegsjobs verdrängt, bekommt Sondergeld intern und von Journalistinnen ständig gestellt. Die Antwort: Es gibt noch wenig Evidenz, die Datenlage ist dünn. Theoretisch spricht einiges dafür. Übernimmt KI einfache Aufgaben, die sonst Praktikant:innen erledigen, schneller und gründlicher, spart ein rational handelndes Unternehmen die Anfangsinvestition.
Dagegen steht ein ebenso gutes Argument. Die Top-Fachkräfte mit internem Wissen wachsen im Unternehmen heran. Wer den unteren Teil der Verteilung an KI auslagert, verliert den Weg dorthin. Unternehmen haben also weiter einen Anreiz, Berufseinsteigenden Karrierepfade anzubieten.
Verhoeven bringt das Jevons-Paradoxon ins Spiel. Effizienzgewinne durch Technik führen oft nicht zu weniger Arbeit, sondern zu mehr. Mit der E-Mail ging Kommunikation viel schneller als per Post, die Menge an Nachrichten wuchs aber stark. Ähnlich kann KI dazu führen, dass gleich große Teams einfach mehr schaffen.
„Man muss sagen, es gibt noch relativ wenig Evidenz dafür. Also die Datenlage ist irgendwie sehr dünn.“
Software-Stellen: der stärkste Rückgang am Arbeitsmarkt
Am stärksten gehen in Deutschland gerade Stellenanzeigen für Softwareentwicklung und andere IT-Berufe zurück. Seit Mai 2022 hat sich ihre Zahl mehr als halbiert, so stark wie nie zuvor. Ob das an ChatGPT liegt, lässt sich schwer isolieren. Der Rückgang begann schon vor dem breiten Rollout Ende 2022. Während Corona gab es einen regelrechten Tech-Boom, ein Teil ist also gesunde Marktkorrektur. Studien zu Freelance-Plattformen wie Upwork zeigen aber einen Rückgang der Ausschreibungen nach der Einführung generativer KI.
Verhoeven differenziert: Weniger Ausschreibungen heißen nicht automatisch weniger Jobs. Nach einem überhitzten Markt mit teuren Fachkräften testen viele Tech-Teams erst einmal mit bestehendem Personal, was KI bringt. Dazu kommt die wirtschaftliche Unsicherheit seit 2022. Zieht die Konjunktur an, rechnet Sondergeld wieder mit mehr Tech-Ausschreibungen. Die Jobs sehen dann aber anders aus als vor der generativen KI.
Aus dem Publikum kommt die Sicht eines Bildungsanbieters, der den Effekt für Berufseinsteigende deutlich spürt. Wer ein sechsmonatiges Coding-Programm absolviert hat und danach keinen Job findet, ist frustriert. Der Tipp aus dem Gespräch: sensibel reagieren. Für viele in der Softwareentwicklung ist es das erste Mal, dass ihr Job weniger wertig wahrgenommen wird.
KI-Skills in Stellenanzeigen: Prompting wird Grundkompetenz
Was wurde aus dem Prompt Engineer? Nach dem Start von ChatGPT suchten viele Menschen auf Indeed nach diesem Job, ausgeschrieben wurde die Stelle kaum. Die Sprachmodelle haben sich so schnell weiterentwickelt, dass das Tüfteln am perfekten Prompt an Bedeutung verloren hat. Gute Prompts zu schreiben, bleibt sinnvoll. Gebraucht wird das aber als Kompetenz in jedem Beruf, der mit generativer KI arbeitet, nicht als eigene Rolle.
Der AI Tracker zeigt, wo KI-Skills gefragt sind. 28 Prozent der Stellen mit KI-Bezug liegen in der Softwareentwicklung, mit Skills wie Machine Learning zum Entwickeln, Evaluieren und Skalieren von KI-Systemen. Immer öfter kommen Marketing, Rechtswesen, HR und Kundenservice dazu. Sondergeld überrascht das Tempo: Unter den Stellenanzeigen der Bundesagentur für Arbeit finden sich schon Stellen für Bürokaufleute, die KI-assistiertes Schreiben erwarten.
Was du daraus für dein Recruiting ableitest
Zum Schluss geht der Blick nach vorn. Stimmungsindikatoren wie der ifo-Geschäftsklimaindex zeigen nach oben, auch wenn der BDI die eigene Wachstumsprognose zuletzt gesenkt hat. Am Arbeitsmarkt kommt das noch nicht an. Sondergeld erwartet aber, dass die Zahl der Stellenanzeigen in den nächsten Monaten wieder steigt.
Für deine Planung heißt das: Bau Einstiegsprogramme nicht vorschnell ab, schreib KI-Kompetenzen konkret in deine Anzeigen und nutz offene Arbeitsmarktdaten, um deine eigenen Recruiting-Daten einzuordnen.
Häufige Fragen
Ersetzt KI Einstiegsjobs?
Dafür gibt es laut Virginia Sondergeld vom Indeed Hiring Lab bisher wenig Evidenz. Es gibt Argumente dafür, aber auch dagegen: Unternehmen brauchen Berufseinsteigende, um künftige Fachkräfte aufzubauen.
Brauchen Unternehmen Prompt Engineers?
Kaum. Stellen dafür gab es nur wenige. Prompting wird eher zur Grundkompetenz in jedem Beruf, der mit generativer KI arbeitet.
Warum gibt es weniger Stellen für Softwareentwicklung?
Seit Mai 2022 hat sich die Zahl der Ausschreibungen mehr als halbiert. Dahinter stehen eine Korrektur nach dem Corona-Boom, wirtschaftliche Unsicherheit und Tests mit KI in bestehenden Teams.
Speaker:innen
Virginia Sondergeld
Indeed
Tim Verhoeven
HR-Data-Expert, Talent Intelligence – Indeed




