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Personalgewinnung im öffentlichen Dienst: Was die Arbeitsmarktdaten zeigen

Personalgewinnung im öffentlichen Dienst wird durch die Demografie enger, doch wo liegen die Reserven wirklich? Prof. Dr. Enzo Weber vom IAB prüft auf dem amtlich voran Forum 2026 gängige Mythen über die Gen Z, Ältere und Zuwanderung mit Arbeitsmarktdaten. Dazu zeigt der Vortrag, welche Potenziale Dienststellen nutzen können.

  • Mit Prof. Dr. Enzo Weber
  • Von IAB
  • Format amtlich voran Forum · amtlich voran Forum 2026 · Keynote
  • Datum 01.10.2026
Personalgewinnung im öffentlichen Dienst: Was die Arbeitsmarktdaten zeigenVideo für Mitglieder · kostenlos

Das nimmst du mit

  1. Prüf Vorurteile gegen Daten: Junge Beschäftigte wechseln nicht häufiger als Ältere, die Wechselquote ist die gleiche wie früher. ▶ 10:36
  2. Halte Ältere mit passenden Bedingungen: Kürzere und flexiblere Arbeitszeiten oder andere Tätigkeitsprofile wirken, mehr Geld ist eine Randerscheinung. ▶ 17:04
  3. Mach Arbeitszeit im Lebensverlauf durchlässig: Die Arbeitszeit darf sich ändern, die Karriere nicht. Das gilt auch für Männer. ▶ 26:56
  4. Denk Integration proaktiv: Kläre bei Zugewanderten, was sofort geht und was berufsbegleitend möglich ist, kombiniert mit Sprachförderung. ▶ 27:40
  5. Gib Berufseinsteiger:innen früh Verantwortung, gemeinsam mit erfahrenen Kolleg:innen, wenn KI ihre bisherigen Einstiegsaufgaben übernimmt. ▶ 30:15

Sieh dir alle 32 Minuten der Keynote mit den IAB-Grafiken an und durchsuche das Transkript nach den Zahlen. Kostenlos für Mitglieder.

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Warum Personalgewinnung im öffentlichen Dienst enger wird

Große Generationen gehen, kleinere kommen nach. Weber zeigt eine IAB-Projektion des Erwerbspersonenpotenzials: Lässt man die Demografie laufen, fehlen über 15 Jahre 7 Millionen Arbeitskräfte. Für die öffentliche Verwaltung im engeren Sinne heißt das: Sie liegt heute bei zweieinhalb Millionen und bekommt über 20 Jahre ein Minus von einer halben Million. Im Plus liegt vor allem die Pflege, weil die Alterung dort mehr Bedarf erzeugt.

Die Beschäftigung in Deutschland ist nur wegen Einwanderung gestiegen. Nimmt man nur die Deutschen, wäre sie längst geschrumpft, obwohl pro Jahr 200.000 Personen eingebürgert werden. Gegenüber der EU hat Deutschland inzwischen negative Wanderungssalden.

Mehr Zuwanderung allein löst das nicht. Bei 1,3 Millionen Zuwanderern pro Jahr und einer Abwanderungsquote von 10 Prozent verliert die Erwerbsbevölkerung laut Webers Rechnung trotzdem Millionen. Migrationspolitik wird bei der Integration gewonnen. Viele Zugewanderte gehen wieder oder arbeiten unter ihren Möglichkeiten. Weber fordert einen proaktiven Service, der klärt, was sofort geht und welche berufsbegleitende Entwicklung möglich ist, kombiniert mit Sprachförderung.

Gen Z im Faktencheck: Die Mythen halten nicht

Mit viel Ironie stellt Weber gängige Vorurteile auf und prüft sie mit Daten. Die Erwerbsbeteiligung der unter 25-Jährigen ist auf dem höchsten Wert, der je gemessen wurde, genau seit die Gen Z in den Arbeitsmarkt eintritt. Die Quote beendeter Beschäftigungsverhältnisse ist bei den unter 30-Jährigen nicht anders als bei Älteren.

Auch die angeblich kürzere Arbeitszeit ist ein Statistikeffekt. Bei Frauen bis 25 Jahre sank der Durchschnitt von 38 auf 28 Wochenstunden. Der Grund sind immer mehr Studierende mit Minijob. Ohne sie ist die tatsächliche Arbeitszeit gleich geblieben.

Das echte Problem liegt bei der Ausbildung. Der Anteil der nicht formal Qualifizierten an den unter 35-Jährigen steigt um 2,5 % pro Jahr und liegt bei 13 %. Das passiert in einer Zeit, in der genau das Gegenteil gebraucht wird.

„Dann ändert sich deine Arbeitszeit, aber nicht deine Karriere. Das ist der entscheidende Maßstab und übrigens auch für Männer.“

Prof. Dr. Enzo Weber · im Video ab 26:56

Ältere Beschäftigte halten: Was wirklich wirkt

Bei den 60- bis 64-Jährigen lag die Quote im Jahr 2000 bei 10 Prozent, heute bei über 50. Für Weber ist das eine Erfolgsgeschichte, und der Trend ist nicht am Ende. Viele arbeiten aus Spaß, für eine Aufgabe und für den Kontakt zu anderen Menschen, manche auch fürs Geld.

Eine IAB-Auswertung von vor Corona zeigt: In 26 Prozent der Fälle mit Rentenanspruch versuchten Betriebe und Dienststellen, die Person zu halten. Das klappte in 83 Prozent der Fälle. Gewirkt haben kürzere und flexiblere Arbeitszeiten und andere Tätigkeitsprofile, höhere Entlohnung war eine Randerscheinung. Es ging vor allem darum, Expertise und Qualifikation an Bord zu halten.

Die Regelaltersgrenze im Vertrag wirkt wie eine Mauer. Solange das Gesetz nichts anderes zulässt, rät Weber, auf Dienststellenebene neue Modelle zu entwickeln: andere Arbeitszeiten, andere Rollen und bei belastenden Jobs verwandte Tätigkeiten statt vorzeitigem Ausstieg.

Frauen: Arbeitszeit ändern, Karriere halten

Bei Frauen knickt die Karriere ab, wenn Kinder kommen. Der Gender Pay Gap liegt insgesamt bei knapp 20 %, bei Mitte 20-Jährigen praktisch bei null, 15 Jahre später ist er riesig. Eine IAB-Studie zeigt: Wird die Kinderbetreuung ausgebaut, arbeiten auch Frauen mehr, die vorher gar nicht gesagt hatten, dass sie mehr arbeiten wollen. Fehlende Betreuung, steuerliche Fehlanreize, gesellschaftliche Erwartungen und wenig Flexibilität drängen viele in die Rolle der Zweitverdienerin.

Neben der Politik sind die Arbeitgeber gefragt. Ob vier, fünf oder sechs Tage ist Weber egal. Es geht um Wahlarbeitszeit und Durchlässigkeit: Die Arbeitszeit ändert sich im Lebensverlauf, die Karriere nicht. Bei der Wahlarbeitszeit ist der öffentliche Dienst schon weiter als andere. Der Maßstab gilt auch für Männer. Zwei Partner mit 90 plus 90 Prozent wären ein größeres Potenzial als die heutigen 100 plus 50.

KI und Berufseinstieg: der erste Schritt für deine Dienststelle

Eine Akademikerkrise durch KI sieht Weber in den Daten nicht. Die Beschäftigung auf Spezialisten- und Expertenniveau ist bis zuletzt gestiegen, auch wenn die Arbeitslosenquote von 2,1 auf 3,3 Prozent zugelegt hat. Wer nur fragt, was KI den Menschen übrig lässt, führt eine Verliererdebatte.

Für den Berufseinstieg heißt das: Übernimmt KI die Routine, gib jungen Leuten Verantwortung, gemeinsam mit den Erfahrenen. Und mach aus dem Abschluss einen Startschuss für Lernen über den ganzen Lebensverlauf.

Jobsicherheit nennt Weber ein großes Asset. Der öffentliche Dienst kann aber mehr bieten als den sicheren Job in der Nähe. Ein erster Schritt: Prüf, welche Gruppe deine Personalgewinnung bisher kaum anspricht, ob Ältere, Frauen in Teilzeit, Zugewanderte oder Nachwuchs ohne Ausbildung.

Häufige Fragen

Wechselt die Gen Z häufiger den Job als frühere Generationen?

Nein. Die IAB-Daten, die Weber zeigt, belegen bei den unter 30-Jährigen keine höhere Quote beendeter Beschäftigungsverhältnisse. Die Wechselquote ist die gleiche wie früher.

Wie halte ich ältere Beschäftigte länger im Job?

Mit Bedingungen, die in die Lebensphase passen: kürzere und flexiblere Arbeitszeiten oder andere Tätigkeitsprofile. Wo Betriebe und Dienststellen es versucht haben, klappte es in 83 Prozent der Fälle.

Warum ist Zuwanderung für den Arbeitsmarkt so wichtig?

Ohne Einwanderung wäre die Beschäftigung in Deutschland laut Weber längst geschrumpft. Entscheidend ist die Integration, damit Menschen bleiben und ihre Kompetenzen einbringen.

Speaker

Prof. Dr. Enzo Weber

IAB

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