Das nimmst du mit
- Miss Kultur regelmäßig, etwa mit Befragungen nach innen, und vergleich die Ergebnisse über die Zeit. Kultur ist kein weicher Begriff. ▶ 10:14
- Streich das Bullshit-Bingo aus Stellenanzeigen: 93 Prozent werben mit Teamarbeit, nur bei 42 Prozent ist sie laut kununu-Daten eine Stärke. ▶ 7:42
- Zeig dich so, wie du wirklich bist. Auch ein etwas chaotisches Umfeld findet Menschen, die genau das suchen. ▶ 8:26
- Bau Leistungskultur auf Vertrauen, Qualität und Entwicklung, nicht auf Überstunden und Präsenzpflicht. ▶ 13:33
- Lass deine Mitarbeitenden die Kultur beschreiben. Was sie sagen, ist die ehrlichste Arbeitgeberkommunikation. ▶ 20:01
Sieh dir alle 23 Minuten an, mit den Kulturdaten aus fünf Jahren und dem Gespräch mit Gero Hesse über kununu selbst. Kostenlos für Mitglieder.
Kostenlos beitretenWo Unternehmenskultur wirklich entsteht
Obstkorb, Benefits, Bürogestaltung, Werte: Wenn Unternehmen über Kultur reden, bleibt es oft fluffig. Nina Zimmermann sieht Kultur im Kleinen. Wie wird mit dir im Meeting umgegangen? Wie läuft Feedback, wie lösen Teams Konflikte, wie fühlt sich das Onboarding an, und was passiert unter Druck?
Zimmermanns Lieblingssatz dazu: Culture is what happens when the organization is not looking. Kultur ist, wie Mitarbeitende zu Hause, mit ihren Eltern oder Freunden über die Arbeit sprechen.
Die Stellenanzeige ist nicht mehr das Zentrum
Der klassische Recruiting-Funnel existiert noch, ist aber modular geworden. Dank KI gehen Tausende Bewerbungen raus, das echte Interesse am Unternehmen kommt manchmal erst danach. Die Stellenanzeige bleibt wichtig, ist aber nicht mehr das Zentrum. Kandidat:innen fragen Bekannte, nutzen ChatGPT, Jobplattformen und Social Media. Laut Zimmermann gehört kununu zu den zehn wichtigsten Quellen von Sprachmodellen.
Kandidat:innen informieren sich vorab und verlassen sich nicht allein auf die Anzeige. 36 Prozent der Bewerber:innen sagen, dass die Realität des Jobs nicht zur Anzeige passt. Zimmermann nennt das Bullshit-Bingo: Viele Unternehmen predigen Diversität und Innovation. Denkst du die Marke weg, weißt du nicht mehr, wer gemeint ist.
Die kununu-Daten zeigen die Lücke: 93 Prozent der Arbeitgeber werben mit Teamarbeit und Zusammenarbeit, nur bei 42 Prozent ist das tatsächlich eine Stärke. 90 Prozent sprechen über Innovation und Digitalisierung, doch nur ganz wenige werden so wahrgenommen. Das wird teuer, denn eine Fehlbesetzung kann 50, 60, 70.000 Euro kosten.
„Die Stellenanzeige ist weiterhin wichtig, es ist nicht tot, egal was alle sagen, aber es ist nicht das Zentrum, womit man Recruiting betreibt.“
Zeig dich so, wie du wirklich bist
Warum als innovativ auftreten, wenn du eher traditionell unterwegs bist? Warum flache Hierarchien versprechen, wenn es 20 Stufen gibt? Zimmermann rät, das gewollte Bild zur Seite zu schieben und zu zeigen, wie es tatsächlich ist. Schau zuerst nach innen, bevor du dich nach außen präsentierst.
Ein Beispiel aus einem Gespräch: Eine Person suchte auf kununu einen Job im E-Commerce, aber bewusst kein Unternehmen mit fertigen Prozessen und klarer Struktur. Gesucht war eine Bewertung, in der steht: etwas chaotisch, noch nicht alles gegeben. Denn dort lässt sich Wirkung erzielen. In Deutschland tun sich viele schwer mit solcher Kritik. Wer dazu steht, findet laut Zimmermann die besseren Mitarbeitenden und hält sie vor allem.
Unternehmenskultur messen: Was fünf Jahre Kulturdaten zeigen
Viele Unternehmen halten Kultur für nicht messbar. Zimmermann widerspricht: Mit Befragungen nach innen kannst du Daten sammeln und über die Zeit vergleichen. kununu hat zum ersten Mal fünf Jahre Kulturdaten aus dem deutschsprachigen Raum ausgewertet, vier Dimensionen mit bis zu zehn Einheiten, über 50 Millionen Datenpunkte. Darin stecken Krisen von der Finanzkrise bis Covid.
Vier Erkenntnisse ergeben sich daraus. Erstens gewinnen Stabilität und Ordnung an Bedeutung: klare Abläufe, Gründlichkeit, überlegtes Handeln. Zweitens wird Führung zur wichtigsten Kulturressource. Menschen können damit umgehen, wenn es dem Unternehmen nicht gut geht, wollen aber echte Transparenz und Freiraum. Layoffs gehören ehrlich erklärt, nicht nur mit KI.
Drittens geht es um Vertrauen: Leistung entsteht nicht durch Überstunden, sechs Arbeitstage oder tägliche Präsenzpflicht. Eine starke Performance-Kultur entsteht dort, wo Vertrauen ist, Qualität stimmt und Mitarbeitende sich entwickeln. Viertens: Retention is the new recruiting. Bindung entsteht über einen gemeinsamen Purpose, und das ist kein reines Gen-Z-Thema. Über die Generationen hinweg wollen Menschen vertrauen und wissen, wohin das Unternehmen geht.
Vom Employer Branding zum Employee Branding
Kultur ist ein Langzeit- und ein Kurzzeittrend. Bewertungen bewegen sich langsam. Deshalb hat kununu mit Pulse ein Produkt für wöchentliche Stimmungsbilder sanft ausgerollt, zunächst bei 1500 Unternehmen. Employer-Branding-Profis müssen davor keine Angst haben. Der Puls zeigt kurzfristig, was intern passiert, und gibt dir einen Impuls zum Handeln.
Für Zimmermann muss Kultur von oben kommen. Das Thema lässt sich nicht an HR auslagern, es braucht ein Umdenken, das von oben kommt. Und Zimmermann würde Employer Branding gern in Employee Branding umbenennen: Die beste Arbeitgeberkommunikation ist das, was deine eigenen Mitarbeitenden sagen. Lass sie beschreiben, wie sie die vier Dimensionen erleben.
Im Gespräch mit Gero Hesse zeigt Zimmermann, wie kununu das selbst lebt. Der eigene Score liegt über vier. Die Regel: Kein Kommentar bleibt unbeantwortet, Kritik geht direkt an die betroffenen Bereiche. Als die interne Kommunikation ein-, zweimal nicht gut genug war, hat kununu nachgebessert. Dein erster Schritt: Frag deine Mitarbeitenden, wie sie die Arbeit bei euch beschreiben würden.
Häufige Fragen
Kann man Unternehmenskultur messen?
Ja, sagt Nina Zimmermann. kununu hat Kulturdaten aus fünf Jahren mit über 50 Millionen Datenpunkten ausgewertet. Intern helfen Befragungen, deren Ergebnisse du über die Zeit vergleichst.
Warum passen Stellenanzeigen oft nicht zur Realität?
Viele Anzeigen nutzen dieselben Schlagworte wie Innovation oder Teamarbeit. 36 Prozent der Bewerber:innen sagen, dass der Job nicht zur Anzeige passt. Beschreib ehrlich, wie es bei dir ist.
Was ist Employee Branding?
Zimmermann schlägt vor, Employer Branding so zu nennen, weil die beste Arbeitgeberkommunikation das ist, was deine eigenen Mitarbeitenden über die Arbeit sagen.
Speaker
Nina Zimmermann
CEO / kununu




