Das nimmst du mit
- Nur 21 Prozent der Deutschen gehen richtig engagiert und mit Wohlbefinden zur Arbeit. Hier liegt dein größter Hebel für Bindung. ▶ 10:14
- Gib Mitarbeitenden echten Entscheidungsspielraum und lass sie mutige Entscheidungen nicht bereuen. So entsteht Vertrauen. ▶ 14:02
- Menschen mit geringerem Work Wellbeing suchen doppelt so häufig nach einem neuen Job. Wellbeing ist damit ein Retention-Thema. ▶ 22:46
- Lass Interviews von geschulten, empathischen Menschen führen. Nur 19 Prozent fragen direkt nach Wohlbefinden, die meisten lesen es an Signalen ab. ▶ 23:46
- Sei radikal ehrlich: Ordne auch Unsicherheit intern ein, statt nur Schönwetterreden zu halten. ▶ 33:22
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Kostenlos beitretenEmployee Reality statt Employer Brand
Viele Kampagnen zielen nach außen. Ute Neher dreht den Blick nach innen: Entscheidend ist, wie Mitarbeitende ihre Arbeit tatsächlich erleben. Die Employer Brand sollte nur nach außen tragen, was innen gelebt wird. Grundlage ist die Work-Wellbeing-Forschung von Indeed mit dem Wellbeing Research Centre der University of Oxford. Hinter den Wellbeing-Scores stehen mehr als 25 Millionen Datensätze.
Work Wellbeing ist dabei nicht die Yogamatte oder das klassische BGM. Neher unterscheidet vier Outcome-Faktoren: Zufriedenheit, also ob ich mich bei der Arbeit insgesamt wohlfühle. Erfüllung, also ob mir die Arbeit Erfolgsmomente gibt. Sinn, also ob sie einen Beitrag leistet. Und Stress, der oft unterschätzt wird, obwohl Stress direkt auf die Gesundheit wirkt.
Was die Work-Wellbeing-Studie für Deutschland zeigt
83 Prozent der Befragten sagen, Arbeit ist mehr als ein Gehaltscheck. 94 Prozent glauben, dass man bei der Arbeit glücklich sein kann. Obwohl viel von einem Arbeitgebermarkt die Rede ist, sind die Erwartungen an Arbeit gestiegen, getrieben vor allem von den jüngeren Generationen.
Gleichzeitig ist Arbeit weiterhin der Stressfaktor Nummer eins. Viele nehmen schlechte Tage mit nach Hause, mit Folgen wie Schlafstörungen und weniger Zeit für Familie und Freunde. Neben dem Gehalt ist Stress der Hauptgrund für die Suche nach einem neuen Job. Und nur 21 Prozent gehen in Deutschland richtig engagiert zur Arbeit. Kanada liegt dieses Mal dahinter, die Niederlande deutlich davor.
„Fangt doch mal bitte an, eure jungen Generationen zuzuhören, als über sie zu reden. Wir reden verdammt oft über Menschen, aber nie mit Menschen.“
Die Treiber: Vertrauen, Zugehörigkeit und Begeisterung
Gemeinsam mit Oxford hat Indeed elf Treiber identifiziert, die für jedes Land unterschiedlich gewichtet sind. Vertrauen, Begeisterung oder Zugehörigkeit tauchen immer wieder in den Top drei auf. Dazu kommen Faktoren wie Führung, Inklusion, Respekt, Flexibilität, Wertschätzung, Erfolg und Lernen. Faire Bezahlung steht ebenfalls auf der Liste. Neher warnt ausdrücklich davor, das Gehalt zu ignorieren.
Vertrauen heißt, Menschen echten Entscheidungsspielraum zu geben, statt jede Entscheidung abstimmen zu lassen. Zugehörigkeit beginnt nicht damit, dass jemand bei dir arbeiten darf. Neher beschreibt einen Tisch mit unterschiedlichen Stühlen, an dem jede Person in eigener Tonalität und im eigenen Dialekt sprechen darf. Begeisterung bedeutet Energie aus der Arbeit: Wer nur auf eine Stelle gesetzt wird, weil gerade jemand fehlt, und keine Hilfe bekommt, wieder herauszukommen, wird diese Energie nie haben.
Der Business Case für Wohlbefinden
Beschäftigte mit hohem Wellbeing-Score erreichen häufiger ihre Ziele. Erstmals hat die Studie auch Anpassungsfähigkeit untersucht: Wer sich sicher fühlt, lernt eher und akzeptiert neue Technologie. Wer ein geringeres Work Wellbeing hat, sucht doppelt so häufig nach einem neuen Arbeitsplatz.
Auch Bewerbende achten darauf, vor der Bewerbung und noch nach dem Angebot. Nur 19 Prozent fragen direkt nach. Die meisten lesen Signale ab: ein hilfsbereites Team, ein echtes Kennenlernen, engagierte und empathische Interviewende. Neher fordert deshalb, Interviews nicht zwischen Tür und Angel zu führen. Überzeugend wirken flexible Arbeitsgestaltung, die auch an Menschen ohne Schreibtisch denkt, eine niedrige Fluktuation und Programme für psychische Gesundheit. Doch nur 16 Prozent glauben, dass Unternehmen wirklich etwas tun. Kommuniziere deshalb regelmäßig, nicht erst in der Krise.
Drei erste Schritte für mehr Work Wellbeing
In der Fragerunde nennt Neher drei Ansätze. Erstens: Sprich mit Menschen, nicht über sie. Das gilt für junge Leute vor der Ausbildung, für Beschäftigte 50 plus und für Menschen mit sichtbaren und unsichtbaren Beeinträchtigungen. Zweitens: Setz kleine Maßnahmen schnell um, damit sie spürbar werden. Mach es lieber einfach als perfekt. Drittens: Sei radikal ehrlich. Wenn du nicht weißt, wie dein Geschäft in ein, zwei oder drei Jahren aussieht, sag das. Wenn du intern nicht einordnest, übernimmt das die Presse.
Für Neher entsteht Zukunft dort, wo Arbeit wieder menschlich wird. Technologie verändert, wie wir arbeiten. Entscheidend ist, wie wir miteinander umgehen.
Häufige Fragen
Wie viele Beschäftigte in Deutschland gehen engagiert zur Arbeit?
Laut Work-Wellbeing-Studie von Indeed und der University of Oxford sind es nur 21 Prozent. Kanada liegt dahinter, die Niederlande deutlich davor.
Was ist Work Wellbeing?
Mehr als BGM oder Yogamatte: Die Studie misst Zufriedenheit, Erfüllung, Sinn und Stress und nennt elf Treiber wie Vertrauen, Zugehörigkeit und Begeisterung.




