Das nimmst du mit
- Denk Bürokratie als Mindset-Thema: Sie beginnt laut Linn oft schon am Empfang des Unternehmens. ▶ 8:23
- Senk die Einstiegshürde: Ein Avatar auf der Karriereseite spricht mit Bewerbenden rund um die Uhr in ihrer Sprache, statt Formulare abzufragen. ▶ 15:02
- Lass das Gespräch direkt ins ATS laufen: KiHRa erstellt ein Exposé, übersetzt es ins Deutsche und schickt Bewerbenden eine Kopie. ▶ 21:03
- Mach transparent, dass Bewerbende mit einer KI sprechen, zum Beispiel mit Wasserzeichen. ▶ 23:30
- Entlaste dein Recruiting bei Standardfragen zu Zwischenstand und Stelle, damit alle Bewerbenden schnell Antworten bekommen. ▶ 23:41
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Kostenlos beitretenWarum Sprache im Recruiting zur Hürde wird
Dirk Linn kommt aus der Elektrotechnik, ist vor 25 Jahren in HR gewechselt und hat p-manent consulting gegründet. Die Kunden sind typischerweise Unternehmen ab 40 Beschäftigten, bis hoch zu 10 000.
Ausgangspunkt für KiHRa ist der Arbeitsmarkt. Linn nennt 8 Millionen Menschen, die in den nächsten 10 Jahren fehlen. Gleichzeitig kommen viele Menschen nach Deutschland, die noch kein Deutsch sprechen. Erst allen Deutsch beibringen und dann einstellen? Linn will die Einstiegshürde in Recruiting, Onboarding und Coaching stattdessen so niedrig wie möglich machen: keine Eingabemasken, sondern ein Gesicht, mit dem man spricht.
Ein Gast aus dem Publikum bestätigt das. Seit 15 Jahren wird über Candidate Experience diskutiert, und noch immer bleiben viele Fragen von Bewerbenden unbeantwortet. Unternehmen verstehen zunehmend, dass sie nicht von allen Deutsch verlangen können.
So funktioniert der KI-Avatar im Recruiting
KiHRa ist ein digitaler Avatar, der HR-Prozesse automatisiert, alle Sprachen spricht und rund um die Uhr da ist. Eingebunden wird KiHRa auf der Karriereseite. Wer nach Jobs sucht, unterhält sich umgangssprachlich mit dem Avatar, auch im Dialekt oder in der Muttersprache. Vorgelesen wird keine Stellenbeschreibung. Trainiert ist die Kultur des Unternehmens, und der Avatar stellt inhaltliche Fragen, die in keiner Anzeige stehen. So entsteht nebenbei eine Art Assessment.
Am Ende landet alles im Bewerbermanagementsystem. KiHRa fasst das Gespräch als Exposé zusammen und übersetzt es ins Deutsche, auch wenn die Person Englisch gesprochen hat. Bewerbende bekommen eine Kopie und können per Double-Opt-in stoppen, wenn ihnen die Zusammenfassung nicht gefällt. Tippen müssen sie nichts.
Warum ein Gesicht statt eines Chats? Menschen wollen Augen sehen und ein Gegenüber haben, sagt Linn. Geplant ist, reale Recruiter:innen und Personalentwickler:innen 360 Grad zu vermessen und fotorealistisch mit synthetischer Stimme abzubilden. Wer sich bewirbt, trifft später dieselbe Person wieder.
„Also, warum soll ich nicht mich dazwischen potenzieren oder vervielfältigen, um alle Bewerber in einer kurzen Zeit mit Antworten zu versorgen?“
Transparenz: Bewerbende sollen wissen, dass eine KI antwortet
Aus dem Publikum kommt die Frage, ob man nicht merken sollte, mit einer KI zu sprechen. Linn stimmt zu: Der Avatar ist klar als nicht menschlich erkennbar, dazu gehören Kennzeichnungen wie Wasserzeichen. Der Nutzen liegt woanders. Viele Anrufe erreichen das Recruiting nie, Bewerbende wollen den Zwischenstand oder mehr über die Stelle wissen. Das nervt beide Seiten. Ein Avatar beantwortet diese Standardfragen für alle in kurzer Zeit.
Den Stand ordnet Linn offen ein. KiHRa wurde 6 Wochen vor dem Festival in Düsseldorf vorgestellt und ist ein MVP. Die Demo lief lokal, deshalb gab es noch Verzögerungen. Der reguläre Rollout ist für den Herbst geplant, bis dahin sucht p-manent Referenzkunden.
Bürokratie beginnt im Kopf
Hinter dem Produkt steht eine Haltung. Linn sieht Bürokratie nicht nur beim Staat, sondern schon am Empfang vieler Unternehmen, bis hoch in die Geschäftsführung. Das ist eine Frage von Mindset und Vertrauen. Der Avatar hieß ursprünglich Noah, als Anspielung auf „No HR“, denn HR wird künftig anders aussehen. Hesse ergänzt: Was heute HR ausmacht, sind künftig Technologie auf der einen und Empathie, Menschlichkeit und Werte auf der anderen Seite.
Auch privat experimentiert Linn mit KI. Der Roman „Spiegelwelten“ spielt 2035, hat 500 Seiten und entstand mit Claude in drei Tagen, deshalb nennt Linn sich Promptor statt Autor. Die Hauptfigur hat einen digitalen Zwilling. Linn hält es für denkbar, dass solche Zwillinge später Bewerbungsgespräche mit Agenten von Unternehmen führen. In einem Transformationsprojekt hat Linn Stimme und Bild bereits geklont, um einer skeptischen Belegschaft die Zukunft greifbar zu machen.
Was du für dein Recruiting jetzt prüfen kannst
Drei Fragen helfen beim Einstieg: Wo verlierst du Bewerbende wegen Sprache oder Formularen? Welche Standardfragen kosten dein Team täglich Zeit? Und wie transparent machst du, wann eine KI antwortet? Linn sieht den heutigen Stand nur als Vorstufe, etwa 5 Prozent dessen, was in drei bis 5 Jahren kommt, bis hin zu Hologrammen im Raum.
Häufige Fragen
Wie kann ein KI-Avatar im Recruiting helfen?
Ein Avatar wie KiHRa beantwortet rund um die Uhr Fragen in vielen Sprachen und nimmt Bewerbungen im Gespräch auf. Das Ergebnis landet als Zusammenfassung im Bewerbermanagementsystem.
Müssen Bewerbende wissen, dass sie mit einer KI sprechen?
Laut Dirk Linn ja: Der Avatar soll klar als nicht menschlich erkennbar sein, etwa durch Wasserzeichen.
Speaker:innen
Dirk Linn
Gero Hesse
CEO, Blogger – EMBRACE




